| |
Ich habe Hegel gelesen. Seither glaube ich an das Ende der Kunst. Und an
das Ende der Geschichte sowieso. Aber an das Ende der Schwangerschaft? No
way.
Seit 27 Wochen bekomme ich ein Kind. Still 13 more weeks to go. Angeblich.
Mein Bauch ist schon so rund, der kann doch gar nicht NOCH größer
werden! Wenn schon jetzt das Aussteigen aus einem Mini oder der Aufstieg
in den vierten Stock eine Qual sind, ganz zu schweigen von Muskelkrämpfen
in der linken Wade und der rechten Arschbacke, werden 13 Wochen zur Ewigkeit.
Manchmal wünschte ich, ich wäre eine Videokassette und ein barmherziger
Mensch würde auf "Fast forward" drücken. Und dann auf "Eject now".
Aber das Schlimmste an der Ewigkeit ist: Es dauert noch 13 Wochen, bis die
grosse Frage beantwortet sein wird. Die Frage lautet natürlich: JUNGE
ODER MÄDCHEN?
Wir sind nämlich altmodisch. (Andere würden sagen: Wir sind Idioten.)
Als der Arzt vor Wochen beim ersten großen Ultraschall fragte: Na,
wollt Ihr wissen, was es wird, sagten wir nein. Nein, das sei doch im Zeitalter
der pränatalen TÜV-Kontrolle die letzte große Überraschung.
Nein, nein, Hauptsache, das Kleine ist gesund. Nein, nein, nein, wir wollen
doch nicht eines dieser peinlichen Paare sein, die dauernd davon quaken,
dass sie ,,fürs kleinen Paulchen schon mal das Zimmer blau gestrichen"
haben. Der Arzt grinste und murmelte: Mal-sehen-wie-lange-Ihr-das-durchhaltet.
Und trug etwas in seinen Computer ein. Selbstverständlich kontrollierte
ich beim nächsten Mal unauffällig, was. Nicht "männlich" oder
"weiblich" stand da unter "Geschlecht", sondern nur: "gesehen". Der fiese
Sack!
Denn klar würde ich inzwischen rasend gerne wissen, WAS es wird - aber
getraue mich nicht, es vorm Arzt zuzugeben. Klar will ich das Geschlecht
nicht wissen wegen solcher Lächerlichkeiten wie blauer Wandfarbe. Oder
um die zusanmmengerechnet rund 33-stündige Diskussion um Vornamen zu
halbieren. Not me! Ich möchte es wissen, weil man doch gegebenenfalls
schon jetzt Karten bestellen könnte fürs Endspiel der Fußball-WM
in Berlin im Jahre 2006, wenn´s ein Junge ... Undsoweiter.
Die Kollegin Mia E., deren Kind etwa eine Woche früher dran ist, ist
genauso eine altmodische Idiotin mit denselben Skrupeln. Sie beschloss daher,
die Frage "Mizzi oder Moritz?" durch Eigenanalyse des Ultraschallbildes zu
beantworten: Da, das ist doch ein erigierter Penis! Und was für einer!
Holla! Es war dann allerdings doch bloss der Oberschenkelknochen.
Wenn Techniken wie Spionage oder Selbsterkennung versagen, ist der moderne
Menschen auf Mythen zurückgeworfen. Oder auf Freunde und Kollegen. Alles
ist grauenhaft. Nach dem chinesischen Kalender beispielsweise bekomme ich
ein Mädchen - allerdings müßte ich danach ein Junge sein.
Hm. Hat ER beim Sex die Socken anbehalten? Dann wirds ein Junge (sagt der
Kollege Jochen S., kinderlos). Erscheint kein Grübchen im Kinn der Schwangeren,
wenn man es zusammenquetscht? Dann wirds ein Mädchen (der Kollege Holger
W., 2 Söhne). Vögelt bis eine Woche vor der Geburt! Dann wird´s
ein... mh Ý... also, äh, wie war das jetzt noch?? (sagt Michael S.,
eine Tochter, ein Sohn)
Das Schlimmste an den Volksweisheiten ist aber, dass ich mir nie merken kann,
was was ergibt: wie war das noch mit dem Traum von Kopf- und dem vom Taschentuch
- welcher stand für Junge, welcher für Mädchen? Und was bedeutete
,,eigene Mutter hat graue Haare" gleich nochmal? Oder die gleichbleibende
bzw. sich einer Mohairstrumpfhose annähernde eigene Beinbehaarung?
|
|