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In München ging ich auf eine Single-Party. Collosseum, Kunstpark Ost. Muß man auch mal gesehen haben, diese lückenlose Ansammlung von Amüsierläden, für jede Sparte etwas dabei, Samba, Guiness Pub, Espresso Bar, Table Dance, Großraum, Kleinclub, das ganze Spektrum rauf und runter, zwischendrin Dönerstände, T-Shirt-Stände, Leuchtende-Halsreifen-Stände, das komplette Leistungsspektrum. So tritt das Dienstleistungsgewerbe in die Fußstapfen der Industrie, war ja alles früher mal die Pfanni-Fabrik. Kein Kartoffelpürree mehr, dafür miese Parties.
Drinnen war es viel zu dunkel, daß um die Nummern auf den Herzen lesen zu können. Außer man wäre so nah rangegangen, daß es wiederum völlig unhöflich gewesen wäre, nichts zu sagen und stattdessen einen Brief zu hinterlassen. Das Liebespostamt war ein durchsichtiges Plastikzelt neben dem Dancefloor, mit lauter Taschen, in die man seine Briefe stecken konnte, sodaß man von außen sah, ob jemand Kontakt aufnehmen wollte. Es gibt Duschvorhänge, die nach diesem Prinzip funktionieren, da kann man dann Blümchenbilder oder Brad-Pitt-Fotos hineinstecken und schon duscht man viel origineller. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber bei Duschvorhängen bricht bei mir sofort Panik aus. Ich gucke dann immer in Knöchelhöhe, und natürlich ist da immer dieser Siffrand, und so sehr man es auch zu vermeiden trachtet, klebt sich dann immer der Duschvorhang an den Knöcheln fest.
Auf der Single Party lief ich eine halbe Stunde herum, Singles gucken. Sie sahen genauso verzweifelt aus, wie sie sein mußten, wenn sie auf eine Singleparty gingen. Wer geht schon auf eine Party, bei der man weiß, daß alle anderen mindestens ebenso feige sind wie man selbst? Wer will schon jemanden kennenlernen, von dem man vermuten muß, daß er zu viel Schiß hat, einen anzusprechen? Außerdem war das Geschlechterverhältnis nicht gerade gerecht ausbalanciert. 70 Prozent Männer, 30 Prozent Frauen. Als Frau hätte man aber dennoch niemanden gefunden, bei dem es sich gelohnt hätte, eine message auf die love box zu quatschen.Nach 20 Minuten Cruising in der ehemaligen Kartoffelpürreehalle begegnete mir ein Mädchen mit einem ganz besonders originellen T-Shirt. Drauf stand: Unsere Ehre heißt Treue. Nach der Nummer auf ihrem Herzen habe ich gar nicht mehr geguckt.
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