100 150
100   150
 
schlaflos
 
       
  licht in der nacht  
     
 

Verdammt.

Verdammt.

Verdammt.
Verdammt.
Verdammt.

Es ist jetzt viertel fünf. Das heißt vier Uhr fünfzehn. Mitten in der Nacht also. Und ich sitze am Computer, weil ich nicht schlafen kann. Weil diese blöde irre Maschine, die mir statt eines normalen Gehirn eingesetzt worden ist, rotiert.

Ach, ich weiß es doch. Was bin ich blöd. Blöd. Blöd. Blöd. Das letzte Mal habe ich um viertel vor eins auf die Uhr geschaut. Das war ein paar Stunden, nachdem ich den Kaffee getrunken hatte. Evi, du weißt das doch (Upsa, jetzt rede ich schon mit mir selbst; Schlechtes Zeichen, sehr schlechtes Zeichen!). Du (also ich) + Koffein = nix schlafen können. Herzrasen. Gedanken rotieren. Jaja, was sind wir heute doch schon besserwisserisch, mein liebes Ich. Ist das Heute doch gerade erst ein paar Stunden alt.

Verdammt.

Verdammt.

Verdammt.
Verdammt.
Verdammt.

Ich kann nicht schlafen.
Okay, was mache ich jetzt.
Ich muß mich irgendwie beschäftigen.
Ich kann frühestens in, sagen wir, drei Stunden aufstehen. Also Krach machen. Wecken kann ich auch niemanden. Argh. Dürfte ich Krach machen, könnte ich mir ja die Haare glattfönen. Das wär schön, wiedermal. Das Waschen würde schon zwanzig Minuten brauchen. Inklusive Balsam draufschmieren. Dann ein bißchen anfönen. Und über die Rundbürste ausfönen. Und Schaumfestiger rein. Das sind locker eineinhalb Stunden. Locker. Hihi, ich muß gerade so kichern, weil mir auffällt, wie viele Verben ich durch Tauschen der Präfixe aus Fönen bilden kann. Oder zählen die, rein linguistisch, alle zu einem Verb? Hmm, wen könnte ich das um diese Uhrzeit fragen. Ob ich mal kurz bei Maria klopfen soll? Schließlich handelt es sich um einen Notfall, jawoll. Amnesty würde mir das jederzeit bestätigen, denke ich. Maria würde mich umbringen, denke ich. Habe ich nicht ein Recht auf Gewissheit? Andererseits, was ist denn Gewissheit schon wert? Ja, das mache ich jetzt. Ich diskutiere mit mir selbst über Grundsatzfragen. Oder auch nicht. Wahnsinnig werden kann ich ein anderes Mal auch, finde ich. Und weil niemand da ist, der mir widersprechen könnte, stimmt das jetzt so. Hey, gegenüber wird Licht. Genau, das sind ja immer diese FrühaufsteherInnen. Hey, das wär's doch. Ich könnte mich anziehen, menschlich herrichten (allein das würde mich schon ewig lange beschäftigen, wäre aber nicht ohne Krach zu schaffen!) und mich vorstellen. Tagchen, nö, natürlich sagt bei uns niemand Tagchen. Genausowenig wie jemand nö sagen würden täte. Oder so.

Also, ich geh rüber und sage: Grüß Gott! Aber was, wenn das Moslems sind? Darf ich denn da Grüß Gott sagen? Naja, ich könnte ja auch klingeln und mit Salem Aleikum anfangen. Und dann sind es doch ÖsterreicherInnen. Hihi, wär' das lustig. Ich muß gerade wieder leise in mich hineinkichern (weil laut darf ich ja nicht, schließlich bin ich ja nicht alleine in der Wohnung und schließlich ist das ja nicht die menschenfreundlichste Uhrzeit um einen Kicheranfall zu bekommen. Dabei fällt mir ein: Warum heißen Kichererbsen eigentlich Kichererbsen? Weil danach alle furzen müssen, und das allen so peinlich ist, daß nur hemmungsloses Kichern die Situation retten kann?). Die Frau hätte vielleicht noch die Haare eingedreht. Und der Mann wäre gerade beim Rasieren. Und ich würde reinstürmen: Salem Aleikum (oder Grüß Gott, muß ich eben situativ entscheiden: Oder am besten: Guten Morgen! Ist das konfessionslos? Guten Morgen? Hach, was sich da für Fragen auftun, um fast viertel vor fünf morgens. Naja, mehr kurz nach halb, als viertel vor fünf, wirklich. Aber das kann mir ja niemand nachweisen, hihi. Ich könnte ja theoretisch mit den Minuten so jonglieren, wie ich möchte. Und Sie müssten mir das ganz einfach glauben. Hihi, ist das lustig. Hihi, ist das blöd. Hihi, ich bin ja fast besoffen vor lauter Schlaflosigkeit. ). Also ich würde einfach klingeln, jetzt um viertel vor fünf (ja, ehrlich!) und sagen: Also, ich wohne jetzt ein Jahr schon vis-à-vis und ich finde, es ist endlich an der Zeit, daß wir uns kennenlernen. Außerdem riecht Ihr Kaffee so lecker, kann ich was davon abkriegen, bitte sehr (Brüll! Prust! Schenkelklopf!)? Ich will aber keine Umstände machen. Ich habe auch Kekse mitgebracht, bitte schön. Sind zwar keine selbstgemachten (hey: Geistesblitz, unerwarteter: Ich könnte ja in die Küche und Kekse backen! Oder Buchteln! Mit Vanillesoße! Ofenwarme Buchteln zum Frühstück! Verdammt. Ich würd' wieder Krach machen. Ich bin eine Krachmachmaschine. Krachkrachkrach. Aber, das würde mindestens eineinhalb Stunden dauern. Also zuerst ins Bad um die Haare glattzufönen, dann wäre es bereits, Moment, beinahe halb sieben. Dann in die Küche, dann könnte ich um acht Uhr Buchteln aufweisen! Soll ich das machen? Hmm. Würde ich das überleben? Tod durch Strangulieren soll ja nicht so lustig sein. Aber ich könnt' Angi und Maria ja mit den Buchteln bestechen. Naja, wahrscheinlich würden die Beiden es vorziehen, mich zuerst zu erwürgen und die Buchteln zum Leichenschmaus umzufunktionieren. Also keine gute Idee, aber merken. Wiedermal Buchteln backen.)

Ich steh ja immer noch vor der Tür meiner Gegenüber. Rein theoretisch, natürlich. In Wahrheit sitze ich in meinem Oma-Nachthemd vor dem Rechner. Immer noch. Ich denke, die werden eh beschäftigt sein. Mit sich Anschweigen oder so. Es ist ja gerade mal fünfe. Da redet man noch nicht soviel.

Verdammt.

Verdammt.

Verdammt.
Verdammt.
Verdammt.

Die Leute am Naschmarkt sind sicher gerade dabei, die gelieferte Ware zu begutachten und aufzubauen. Die brauchen bestimmt eine helfende Hand. Denen wäre es gewiss egal, daß ich eine Krachmachmaschine bin. Aber um diese Uhrzeit arbeiten? Gähn. Schon der Gedanke macht mich irgendwie müde. Ich könnt' ja zur Gräfin (Lokal am Naschmarkt) und Gulaschsuppe frühstücken (täusche ich mich oder geht es hier nur um Essen?). Oder ich denke einfach ganz viele ermüdende schwere Gedanken und hoffe auf das Sandfrauchen. Ja, so mache ich das.
Also, was könnte ich jetzt denken?

Hmm.

Ich hab's! Ich stell' mir vor, ich täte mein Zimmer aufräumen wollen würden (Das ist aber eh nie der Fall, also stimmt wollen würden tun, rein linguistisch.). Ja! Ich stelle mir vor, ich täte meine Unterlagen ordnen, beschriften, sortieren und was weiß ich noch. Vorlesungen nachbereiten! Den Schreibtisch von allem Überflüssigem befreien! Und alle Kugelschreiber und Leuchtstifte und dergleichen auf ihre Funktionstüchtigkeit prüfen und gna-den-los die ausgetrockneten wegwerfen! In den Mülleimer. Und: den Müll runterbringen! Und ich könnte sämtliche Bleistifte und Buntstifte anspitzen! Und zwar so sehr, daß die Spitze wieder abbricht und ich alle zweimal spitzen muß! Und dann...

Gähn.

Gääääääähhhn.

GäähhääHÄÄÄnnn.

Jaja, Du dummes kleines Gehirn, damit habe ich Dich jetzt gekriegt, nicht wahr?
Neinnein, ich habe nichts gesagt.
Pfeif.
Du wirst müde. Immer müder. Du siehst das Bettlein. Du gibst jetzt den Fingern den Befehl, den Text abzuspeichern. Jaaa, brav so.

Und dann wirst Du den Rechner ausschalten lassen.

Und wir werden zum Bettlein kriechen.
Das noch nach Ihm riecht.
Ganz schwach zwar, aber ausreichend.
Du magst den Geruch doch so, ich weiß es.

Jaaa.. puuuuuutt putt putt...

Komm liebes kleines Gehirn,
nein, bist kein dummes Gehirn.

Bist mein müdes kleines liebes Gehirn...
Sei lieb, bist ja so müüüde, ich weiß es doch...

Ja.

Laß uns gehen.
Kriechen tut's auch.


evi kritzinger auf dem sofa
wien ist ein dorf. alle folgen