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venture capital 6 | von stefan knecht
 
       
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No-Shit example: Wie operiert Kleiner-Perkins?

Kleiner-Perkins (KP) bietet alle für einen Startup wichtigen Bereiche aus einer Hand: Kapital, Personalbeschaffung, Personalmanagement und Investment Banking.

Dem Startup wird eine klassische closed loop solution geboten, die viel Zeit und Arbeit spart und den Kommunikationsaufwand mit vielen verschiedenen Partnern reduziert. Der Startup kann an der Story bauen und sich auf das Produkt konzentrieren.

KP operiert vor allem in den USA, in Deutschland ist dieser full-serviceAnsatz kaum entwickelt.

Ein closed loop bietet Vorteile für beide, Startup und VC:

  1. Reputation: KP als Investor zu haben verschafft sofortige Glaubwürdigkeit und Wahrnehmung, der footprint ist größer als der eines unbekannten Investors, das branding KPs ist ein Gütesiegel für funktionierende Managementprozesse.

  2. "keiretsu": KP organisiert aktiv die Zusammenarbeit seiner 250+ Beteiligungen, stellt Kontakte zwischen den Beteiligungen her, schlägt Marketingkooperationen oder gar joint ventures vor. Die Vernetzung wird aktiv vorangetrieben, die Aussenwahrnehmung durch Pressearbeit und lobbying aktiv geführt.

  3. Verhandlungsstrategie: Die gute Reputation erlaubt es, bessere Konditionen gegenüber den Startups durchzusetzen und damit die Profitabilität des Gesamtfonds zu verbessern. Der Startup verkauft zwar einen höheren Anteil, kann aber schneller wachsen. In der Regel werden seeds über first-stage investments vorgenommen. In allen Fällen ist KP lead investor und aktiv im Board des Startups vertreten.

 

Erheblicher Einfluss wird durch das Platzieren befreundeter CEOs in den Boards der Beteiligungsfirmen erreicht. KP wendet dafür genauso viel Zeitauf wie für das Rekrutieren von Marketing- und Technologiemanagern. Auch die über KP eingebrachten Manager können später in der Keiretsu=A0 plaziert werden.

Risikomanagement

KP unterscheidet vier Riskoarten:

  1. Technologisches Risiko (funktioniert das Produkt, der Service überhaupt?)

  2. Marktrisiko (gibt es genug Nachfrage nach der Technologie, dem Produkt?)

  3. Risiko der Personalfluktuation (bleiben die Gründer bei der Stange oder kommt es zum gefürchteten brain drain und nach einem halben Jahr ist keiner der Gründer mehr an Bord?)

  4. Finanzierungsrisiko (Kann genug Geld aufgenommen werden?)

 

Bei Technologiefragen haben Startups meist mehr Ahnung als die Geldgeber. Das Gefährlichste ist das Marktrisiko: kann sein, daß die Technologie zwar gut und nützlich ist, das Produkt aber keiner braucht.

Für alle klassischen Risiken hat KP Managementstrategien entwickelt (z.B. Leasingpläne für Geräte, Bereitstellen professioneller Hilfe, etc.) -- alle zeitraubenden Administrationsprozesse können standardisiert abgewickelt werden.

Prozesse zur Investmententscheidung

Während normaler Zeiten sind die KP-Partner unterwegs um Manager zu rekrutieren, Firmen zu besichtigen, Konferenzen zu besuchen oder Board Meetings beizuwohnen.

Jeden Montag werden im partner meeting potentielle Investments besprochen, was selten länger als eine Stunde dauert. Um einen Deal zu genehmigen, müssen sich zwei Partner längere Zeit mit dem Startup auseinandergesetzt haben, Entscheidungen werden auf den persönlichen Erfahrungen begründet und sofort getroffen. Bedingung für eine Investition ist, daß einer der beiden oben genannten Partner im Board des Startups aktiv mitarbeitet und bereit ist, auch in Zukunft einen wesentlichen Teil seiner Zeit zu investieren (was bei der Menge der Investments nicht unerheblich ist).

Außerdem werden nur Investments angenommen, die weniger als zwei Flugstunden von San Francisco (dem KP-Firmensitz) entfernt sind, um die Nähe zu den Startups zu halten. Alle Partner haben bei der Abstimmung das gleiche Stimmrecht und jeder kann ein Veto einlegen.


stefan knecht auf dem sofa
venture capital for dummies. alle folgen.