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venture capital 3 | von stefan knecht
 
       
  tango  
     
 

Als Kuppler und Trittbrettfahrer operieren immer Headhunter, Personalberater und andere Seelenhändler. Ihre Aufgabe ist, den Fehler zweiter Art gering zu halten. Der Fehler zweiter Art ist, eine potentiell für eine Aufgabe geeignete Person fälschlicherweise abzulehnen. Also jemanden nicht anzuheuern, obwohl er/sie der ideale KandidatIn wäre. Oder: genau die richtigen anzuheuern.

Der VC kann nur proofen performers gebrauchen, Übermenschen ohne Fehl und Tadel. Schließlich hängt viel davon ab, ob das Startup-Team innerhalb des Zeitfensters die kritische Masse erreicht und den Marktdurchbruch schafft. Die Menschenhändler zwischendrin kassieren bei jedem Handel mit: meist zwei, drei Monatsgehälter oder eine vorher vereinbarte success fee. Die Monatsgehälter der Söldner sind nicht allzuhoch - Teil der Kompensation ist ja die Hoffnung auf den schnellen Exit, shares des Startups, Nuggets oder Katzengold. Und bei 1,5%-Anteilen kann bei einer nach-IPO Valuierung von ... hm, sagen wir ... 120 Mio DM aus einem kleinen Berater ein wirklicher Millionär werden.

In den USA ist das Spiel schon eine Runde weiter: als high potential heuert man nicht mehr bei Firmen an, deren stock value oben steht -- der Wert der stock options als Teil der compensation, des Gehaltes, kann sich dann ja nicht vervielfachen. Also lieber zu einer kleinen Klitsche, die am Anfang der Story steht. Und wenn das Blatt sich wendet, ist schnell gewechselt: die Börse als Arbeitsamt.

Headhunter sind die Aasgeier am Klondike: Sie verdienen um so öfter und um so mehr, je dynamischer die Branche ist, je öfter Firmen starten, scheitern und in neuer Kombination wiedereröffnet werden. Je größer der brain drain (je mehr fähige Leute von hier nach dort wechseln), desto größer der Erlös. Bei jedem Wechsel hat der Kopfjäger eine neue Chance, kann wieder Kasse machen.

Ein nahezu risikoloses Geschäft: Headhunter werden nicht in Regreß genommen, wenn die vermittelte Person wider Erwarten eine Niete, ein Blender, ein Ausfall ist. Für den kleinen schnieken Startup kann das fatal enden: den falschen Menschen in entscheidender Funktion zu haben kann bedeuten, daß sich das Zeitfenster  schließt und die Chance vorübergeht.

SFS: Self Fucking System

Headhunter verdienen immer und immer wieder. Je schneller das Karussell dreht, je mehr Entrepeneure aus der Kurve geschmissen werden, desto mehr Manövriermasse steht zur Verfügung, um wieder neuen, aufstrebenden, besser finanzierten startup ventures angedient zu werden.

Headhunter sind gerngesehene Gäste auf Housewarming-Parties, Launch-Events und wo immer es etwas zu feiern gibt. Manche aber übertreiben es und bieten neben der ersten Garde der Idealkandidaten hemmungslos Schwenkfutter an, das sie mit der Zeit vergraulen. Schwenkfutter ist ein Begriff aus dem Filmgeschäft. Die Kamera huscht in einem Schwenk über Menschen, die das Bild füllen, aber keine darstellerische Funktion haben - außer eben das Bild zu füllen. Der Headhunter muß zu seinem Idealkandidaten für ein Mandat (den Auftrag, geeignete Darsteller für eine ausgeschriebene Stelle zu finden immer auch einige weniger ideale Kandidaten anbieten. Für den Kandidaten ist es ein übles Zeichen, wenn er nach einigen Fehlschlägen bemerkt, daß er nicht Darsteller, sondern Schwenkfutter ist.

Kalte Küsse

Ein Wort noch zum Fröscheküssen: Was geschieht eigentlich mit den menschlichen Resten erfolgloser Startups? Erfolglos ist eine Internet-Firma, wenn sie einmal Geld vom VC erhält, aber in der zweiten Runde hängen bleibt. Aus dem kaulquappigen Startup wurde in der Zwischenzeit ein veritables Team, mit 10, 15, 20 hart arbeitenden Menschen. Nun stoppt der Geldsegen, und der VC läßt die junge Firma ebenso schnell sterben, wie er sie gezeugt hatte. Neun von zehn Unternehmen wird es so ergehen. Rausgefallen, gescheitert, gebrandmarkt.


stefan knecht auf dem sofa
venture capital for dummies. alle folgen.