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passage nach indien 9 | von stefan knecht
 
       
     
 

In Vijayanagar herrschte ehedem eine Art Religionsfreiheit. So sind Hindutempel mit Jain-Tempeln und einigen Moscheen gemischt. Des öfteren wurden Tempel auf Ruinen aufgelassener Stätten anderer Religionen erbaut, so daß manche Orte eine dreifach religiöse Belegung haben. 

affengottSehr sonderbar. Erklärbar wird es durch die abnehmende Heiligkeit oder Verehrungswürdigkeit, die Idole abhängig von ihrem Zerstörungsgrad haben. Je zerstörter ein Idol, desto weniger Kraft wird ihm zugesprochen, desto weniger Menschen besuchen es, desto profaner wird es. Die muselmanischen Eroberer wußten dies, sparten sich die Mühe einer kompletten Schleifung und schlugen den Elefanten- und Shivastatuen Arme, Stoßzähne und Nasen ab und nahmen ihnen so mit wenig Aufwand ihre Verehrungswürdigkeit. Guter Trick, haben die Kreuzritter auch so gemacht.

Der Affengott Hamuman wurde auf einem unweit entfernten Hügel in die Götterwelt geboren. Ein magischer Ort. Auf hunderten weißer Stufen kann man aufsteigen und das Tal aus der anderen Richtung betrachten.

affe Die Nachfolger des göttlichen Affen besetzen heute den aktiven Haupttempel, zetern auf den Hüttendächern, zum Unbill genervter Hausfrauen, die mit Bambusstockschlägen allzu dreiste Diebstähle zu verhindern suchen.

Ganz wunderbar ist der Lotustempel im von hohen Steinmauern geschützten Königsbereich Hampis. Umgeben von drei Eunuchentürmen liegt ein sechseckiges Gebäude, in dem sich alle Stile vermengen: osmanische Fensterlaibungen, jainische Dachvorsprünge und hinduistische Gesimse. Hier pflegte an heissen Tagen die Königin samt weiblichem Hofstaat zu ruhen. 

sommer tempelÜber ein Pumpwerk wurde laufend Wasser auf das Dach geleitet, das durch Luftöffnungen in alle Richtungen soviel Verdunstungskälte produzierte, daß die Holde samt Hofstaat angenehme Kühle genießen konnte. Sehr schlau ausgedacht.

Zu jedem der größeren Tempel gehörte ehedem ein eigener Basar. Im Hampi muß es über die Zeiten einige Dutzend Basare gegeben haben. Der Basar in der Ortsmitte ist das Zentrum. Eine urtümliche Fußgängerzone von gut 25 Meter Breite, gut eineinhalb Kilometer lang, rechts und links begrenzt von den antiken Basargebäuden aus massiven Granitplatten. 

Über die Zeit haben sich einige der Platten unter fingerdicken Farbschichten verborgen oder wurden mit Blechverschlägen ausgebaut. Die einzelnen Stände werden von puren Granitsäulen gebildet, bedacht durch 20 cm starke Granitplatten, die wie Paneelen aneinanderliegen.
Wie überdimensionierte Legosteine.

main road hampi

In der ortsnahen Hälfte des ehemaligen Basars leben Familien, pflocken Kälber und Ziegen an, lagern Brennholz und köcheln an offenen Dungfeuern das Abendessen. 


stefan knecht auf dem sofa
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