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Hampi könnte auch Kulisse für eines dieser bekloppten RTL-Fantasy-Adventures sein. Haushohe, rundgewaschene schwarz-braune Granitfelsen sind wie von Riesenhand zu kleinen Gebirgen aufgetürmt. Dazwischen grüne Flecken, überirdisch strahlende Farbkontraste, ein träge treibender Fluss mit angeblichen Krokodilen und Schildkröten und Myriaden von Tempeln. Ganz kleine Tempel, nicht größer als Hundehütten für Bernhardiner oder Dobermänner, größere wie ein Gartenhaus.
Die meisten sind nicht einmal ausgegraben oder vom Schmonz der Jahrhunderte befreit.
Manche der Granitklöpse zeigen menschliche Bearbeitungsspuren. Sieht
aus wie ein halber Reissverschluss, als hätte man versucht, den Felsen
auseinanderzuziehen. Ich miete ein Fahrrad und für einen halben Tag einen Führer - zu viele Fragen, als daß ich alles lesen möchte. Kumar ist schwarz wie die Nacht und hat sein Haar nach Frauenart geölt. Hilft offenbar gegen die Mücken oder spart häufiges Waschen. Redlich und meist vergeblich gibt er sich Mühe, die Familienverhältnisse der hinduistischen Götterwelt zu zerlegen. Fast aussichtslos zu verstehen, welche Inkarnationen und Avatare aus welchen Gründen Hörner, Arme oder Augen gewannen, verloren oder zu anderen Wesen werden.
Die hinduistischen Götter scheinen sich permanent gestritten zu haben. Ein Fall für die Familienpsychologie. Haben die Freudianer jemals Fuß gefasst in Indien? Die Trinität der Hauptgötter Brahma, Shiva und Krishna leuchtet ein, kommt aus dem Katholizismus bekannt vor. Aller guten Dinge sind drei. Alles weitere ist verworren. Bin zufrieden, die Symbole für jede Einfaltigkeit auseinanderhalten zu können. Shiva hat einen Dreizack, die Gefolgsleute Shivas demnach drei waagerechte weiße Striche auf der Stirn. Wir passieren eine aktuelle Grabung, bei der mehrere Dutzend Arbeiter und Frauen mit Hacken und Schalen ein tief im Erdreich verborgenes Fundament freilegen. Mit den Hacken wird der Humus gelockert, in die Schalen geworfen und diese auf dem Kopf zu einem Treckeranhänger getragen. Die Menschen arbeiten schnell und effektiv. Sonderbarerweise wird das abgetragene Material nicht gesiebt, und niemand kriecht mit kleinen Besen auf Knien auf dem Boden herum. Ich dachte immer, das wäre Teil der archäologischen Methodik. Geht offenbar auch anders.
Kumar kann nicht viel dazu sagen. Später offenbart er, daß er gar kein offiziell bestallter Führer ist und sich alles selbst beigebracht hat. Außerhalb der Saison arbeitet er als Landhelfer auf den Feldern. Die 250 Rp, die er in einem halben Tag mit mir verdient, sind ein guter Wochenlohn. Er kriegt am Schluss 300 Rp. Kumar ist ein netter Kerl und müht sich redlich, meine obskuren Fragen zu beantworten. lesen Sie auch: passage nach indien 9 |
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