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passage nach indien 34 | von stefan knecht
 
       
     
 

Das Manikarnika Ghat ist einer der ältesten und heiligsten Orte Varanasis. Hier verbrannt zu werden ist der direkte Exit aus dem Wiedergeburtszug.

worship corpse

Durch die Gassen werden in weißes Leinen gewickelte tote Körper auf Bambusbahren zum Fluß getragen. Die Leichen werden von kastenlosen Doms versorgt. 

Vor der Verbrennung wird die Leiche kurz in den Ganges getaucht, auf den Scheiterhaufen aus Sandelholz gelegt und dann die Bahre zerbrochen. 

Der Leichnam wird von einem golden durchwirkten Übertuch befreit. Ketten von leuchtend orangen Marigoldblüten liegen am Boden, sammeln sich in stehenden Pfützen am Rande des Ufers und verwelken.

burning

Entlang den steil aufragenden Wänden der Paläste und Häuser sind enorme Stapel Sandelholz gestapelt. 

Mit großen Waagen wird das Holz genau abgewogen. Für eine ordentliche Beerdigung eines wichtigen Menschen kann allein das Holz 10.000 Rupien kosten, unerschwinglich für arme Menschen. 

Flußaufwärts gibt es ein elektrisches Krematorium für die Armen. Auch das kokelt Tag und Nacht aus dem Schornstein.

Den Verbrennungen kann man beiwohnen, ohne schlechtes Gewissen, solange nicht fotografiert wird. 

Vom Fluß aus versuchen es die Touristen dennoch.

Ich schäme mich für sie.


stefan knecht auf dem sofa
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