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passage nach indien 32 | von stefan knecht
 
       
     
 

Der Ganges ist ein mächtiger Strom - breit und träge, Niedrigwasser im März, dennoch gut 300 Meter bis zum anderen Ufer. 

Benares, das heutige Varanasi, liegt in einer weiten Schleife. Die Stadt streut sich eng und aufgestapelt an den Fluß. 

ghat

Direkt am Wasser liegen die Ghats: steile Steintreppen in den Strom, an denen sich die Gläubigen niederlassen um zu baden, zu beten, Opfer darzubringen oder Wäsche zu waschen. 

ghanges ghat

An die hundert Ghats ziehen sich am Ufer entlang und sammeln sich um die zentralen burning ghats, an denen Leichen verbrannt werden.

ghanges tempel

Schicht um Schicht wächst und wuchert die Stadt, wie Lawinen stapeln sich Häuser dem Strom entgegen, bilden Ecken und Nischen und Löcher. 

Jeder Winkel hat mehrere Funktionen: Nachtstatt für einen aschebeschmierten Sadhu oder temporärer Stall für eine Kuh. Meist beides, je nach Bedarf. Je höher das Wasser mit dem Monsun steigt, desto enger wird der Raum, den sich alle Lebewesen teilen müssen. 

Schon ohne Hochwasser ist die Enge bedrückend, kein Schritt ohne Kontakt mit Dingen, die man nicht berühren wollte.

In der Altstadt sind die Gassen sind so eng, daß das Durchkommen mit Gepäck mühselig ist. Wasserbüffel trotten entgegen, ausladende Bauchseiten schaben an beiden Wänden der engen Gassen. Wie kann man nur Tiere halten in einer Stadt, die für Menschen schon zu eng ist?

Kuhfladen in allen Trocknungsstadien, unmöglich, nicht früher oder später darin auszurutschen. Ratten verschwinden in Spalten, Kinder schlagen leere Pappschachteln, verängstigte Hunde weichen aus, um gleich danach eine Kuh zu verbellen.

Seltsam ist, wie in scheinbar stiller Übereinkunft das Leben ruhiger verrinnt. Am Fluss herrscht etwas exterritoriales, eine Freistellung von Irdischem. Man muss kein Esoteriker sein um in Benares sonderbare Dinge zu erleben. 

Benares IST sonderbar.


stefan knecht auf dem sofa
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