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passage nach indien 30 | von stefan knecht
 
       
     
 

Schnitt.

palace ticket

The Wellington Sports Club. Eine postkoloniale Kulisse. Members Only. Hundertschaften von Schildern weisen auf Offensichtliches hin. Pool maintainance from 12 to 3pm. Mitten am Tag wird der Pool gesäubert und Mr Gatsby samt Nachmittagstee hinauskomplimentiert. Als ob der Pool nicht morgens abends gesäubert werden könnte.

Sehr alten Herren wird beim Umkleiden von Boys geholfen.

Mitglied im Club der noblen Sportiven wird man durch Ernennung und gegen 48.000 Rupees Startgeld. Dafür gibt es einen Golfplatz mitten in der Stadt, den genannten Pool, einen Club mit Krawattenpflicht und Stille on the rocks. Das gefällt mir.

sporclub

Die Umkleide ist eine Turnhalle mit Tonnengewölbe. Träge drehende Ventilatoren schneiden Spiralen aus der Luft. Bougainvillen duften vor dem Sprossenfenstern um die Wette. Rattanbänke, Teaktische und für die alten Herren kleine Sitzbänkchen in den peinlich sauberen Duschen.

Shampoo und Toilettenartikel wohnen in einem persönlichen benamsten Spind und wahrscheinlich gibt es auch Handtücher mit Monogramm. All das aber nicht für Gäste. Wunderbar. Ich liebe Clubs.

Welch grauenhafte Wunderstadt.

Neben den Golfplätzen und Amüsiervierteln der Reichen, die Märkte der Normalen und Armen.

markt puppen

Erwachsengewordene Slums, verslumte Wohngebiete. Händler, schön säuberlich gereiht nach Kasten oder Religion, Hautfarbe und Handelsgut. Strassenweise nur gebrauchte Kleider oder gebrauchte Möbel oder gebrauchte Materialien aller Art. Eine Topologie des Zwecks. Der Kontrast zu Bangalores Malls kann nicht schwärzer sein. Dort eine nicht funktionierende Zukunft, hier eine verbleichende Vergangenheit.

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Nebenan die Gemüse-, Obst- und Kleintiermärkte. Schwere Luft hält sich unter den viktorianischen Gußeisenhallen, Tauben nisten auf Trägern und Simsen, auch Menschen zwischen den Ladenboxen, Ratten, Mäuse, Fledermäuse. 

Wieder ein Mikrokosmos, wohlorganisiert doch beängstigend unrechtwinklig für unsere westlichen Augen. 

Einkaufende Nannies mieten sich Träger, die den Wocheinkauf in Weisenkörben auf dem Kopf durch die schiebende Menge bugsieren. Fische werden verpackt, Fliegen verwedelt, streundende Hunde finden ebenso ein Auskommen wie stumm und zahnlos bettelnde Mütterlein.


stefan knecht auf dem sofa
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