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Abends bei Sonnenuntergang kommen die Japanesen und die gesamte westliche Besatzung Goas mit Motorroller und 500ccm Enfields zum Cliff über dem Beach. Enfields klingen wie Harleys, nur weit animalischer.
Hier sind die Maschinen meist bis zur Unkenntlichkeit verrostet. So an die 500 Menschen versammeln sich jeden Abend. Ein Panoptikum der Gegenwartskultur, der westlichen. Indien ist woanders. Goa ist nicht Indien, sagen alle.
Neben dem Kliff ist die Nine Bar. Lucy aus dem Sherwood Forrest erklärte den Wortwitz: "a nine barer" scheint in Mittelengland eine übliche Handelsgröße für einen ordentlichen Batzen Hasch zu sein. Das verstehe ich nicht und die Japaner auch nicht. Egal. Lucy lacht sich halb tot darüber.
Der Sonnenuntergang geht ratzfatz, blubb und weg ist die Kugel. Ist nahe am Äquator hier. Kaum das Bier entkorkt, einige tiefe Atemzüge der vorbeiwabernden Schwaden genommen, schon ist wieder ein Tag im Paradies vorüber und die Nacht kommt. Ach ja: das eigentlich Bizarre daran ist weniger das Kliff und der Sonnenuntergang, sondern die Untermalung mit ohrenbetäubendem Trance-Techno-Gewummer. Muß man sich vorstellen: Sonnenuntergang, Palmen, Beach usw., dazu KEIN Soft-Pop Gesülze sondern knackharter Teckno (Tekkno? Techno?). Very amusing.
Die eigentliche Party-Area ist ein kreisrundes Etwas mit einem unbedeckten Zirkuszeltgerippe aus Baustahlstangen, Bambusröhrchen und darunter plattgetrampeltem Lehmboden. Feiner roter Staub bedeckt alles.
[Nachsatz: Oh doch, das Plastikstuhlkartell fällt auch anderen auf! Seit langem ... das Münchener Stadtmuseum hatte 1997 eine Ausstellung mit dem Titel "Modell: Aurora - 500.000 Plastikstühle", der fantastische gleichnamige Katalog von Sybille Hofter hat die ISBN 3-932353-00-5]
Weiter beim Techno-Sonnenuntergang:
Und: Italiener. Deren größtes Problem, der Expresso-Nachschub,
wird von einer palmwedelbedeckten Hütte am Strand gelöst. Da hat
ein tamilischer Jungunternehmer eine original italienische Espresso-Kanne
in Betrieb und kocht ganz akzeptablen Kaffee. Womit nur, frage ich mich.
Espresso kann es nicht sein. Wahrscheinlich mit NESCAFE. Und das ist dann
ein Wunder ... Weiß nicht, weshalb mir das unangenehm wäre ... ach doch. Beim Frühstück in einem Restaurant (zwei Bambusstecken und ein Palmwedel drüber = Restaurant, also nichts Besonderes, alldieweil es von Restaurants geradezu wimmelt) unterhielten sich zwei offenbar befreundete deutsche Paärchen und ich lauschte mit. Wie denn Schalke gespielt habe, wollte der eine vom anderen wissen. Und ob man daheim das Bett abgezogen habe oder nicht, sie zu ihr. Beschliesse, mich fürderhin als Österreicher oder Schweizer ausgeben. Macht zwar keinen Unterschied, aber ist wenigstens weiter weg von Mannheim. Jesus... das Bett abziehen: was für eine Idee, wenn einem die reifen Papayas fast auf den Kopf fallen. Multiple Identitäten sind sehr einfach aufzubauen und zu erproben. Mit dem unsichtbaren "Sprich-mich-an-Fremder"-Lächeln dauert es keine 10 Minuten, und ich bin tief im Gespräch mit einem Traveller. Oder einem Pauschali. Wobei diese im Norden Goas eher selten sind. Die sind brav kaserniert in ihren Anlagen und wagen sich nicht in unklimatisierte Goa. lesen Sie auch: passage nach indien 4 |
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