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Da gab es mal einen Film, einen wirklich guten: "Salaam Bombay". Und ich sage Euch da draußen in Obernkirchen und drumherum, genau so isses. Das ist die Wahrheit und nichts als diese. Im Film geht es um die melancholischen Lebensgeschichten von Straßenkindern und Huren und den allesfressenden Bahnhof. Den Film sollte man nicht sehen, wenn der Glaube an das Gute im Menschen bestehen soll. Jedenfalls habe ich ihn so in Erinnerung. Wenn man ohnehin schlechter Laune ist, dann muß man weinen. Ein wenig deprimierend. An Bombays Bahnhof kommen jeden Tag an die drei Millionen Menschen an. Und abends fahren sie wieder ab. Das ist, als ob dreimal München in Hamburg ankommt. Alle auf einmal. Muß man sich mal vorstellen. Bildlich, geruchlich geht schwer. Aber drei Millionen Menschen riechen einfach nicht nach nichts. Viele Menschen riechen.
Zwischendrin keuchen rote Doppeldeckerbusse durch die Straßen, wie in London. Ohne Fensterscheiben allerdings, die braucht es nicht bei durchschnittlich dreißig Grad.
Die roten Busse hupen anders als der restliche Verkehr. Der Fahrer bedient die antiquierten Messinghörner von Hand. Ein tiefes Grunzen wie alte Esel, sonor und leicht zu unterscheiden vom aufgeregten Buzzer der Rikshas oder den krakeelenden Japanhupen der Ambassadore.
Das Blöken bedeutet OBACHT, BUS, und alles springt zur Seite. Busse bremsen nur bei akuter Lebensgefahr. Je größer, desto stark, und selbst Trucks nehmen sich in Acht.
Die Hupen, ach, die endlos dröhnenden Hupen. Wir daheim, wir hupen in akuter Gefahr, oder wenn uns der Fahrstil des Vordermannes gewaltig aufregt. Der Inder im allgemeinen hupt aus den verschiedensten Gründen, nicht unbedingt der Verkehrs- und Gefahrenlage angepasst. "Achtung, hier bin ich", "... ich würde gerne nach rechts, kuck doch mal", "... Hallo Rajiv, lange nicht mehr gesehen" usw. -- eine Kakophonie, die allenfalls nachts zwischen 3 und 5 ein wenig nachlässt. Hupen ist ohnehin wichtiger als Bremsen. Wenn die Hupe mal nicht mehr geht, dann gleicht das der Entmannung des Fahrers. Ohne Bremsen ...? Na gut, das macht die Sache nicht einfacher, aber ohne Hupe? Nicht auszudenken! lesen Sie auch: passage nach indien 27 |
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