100 150
100   150
 
passage nach indien 25 | von stefan knecht
 
       
     
 

Der Weg auf die Malediven führt normalerweise über Frankfurt und 11 Stunden später mit Klima- und Temperaturschock nach Male, zum internationalen Flughafen auf der Hauptinsel. Nicht so bei Reisenden, die auf dem Landweg ankommen. Die hüpfen eine lächerliche Stunde lang mit einem Linienflug aus Trivandrum über den Indischen Ozean.

immigration

Beim Anflug sehen die Malediven verdammt ähnlich aus wie die Malediven. Lauter kleine weisse Flecken umgeben von konzentrischen türkisen Ringen.

Und genau das ist auch das Problem. Die Malediven sehen verdammt aus wie die Malediven. GENAUSO wie die Fototapeten in Hobbykellern oder Reisebüros. Dunkelblaues Wasser, türkises Wasser ringförmig, weisser Strich drumrum (Strand), Palmenwald. Ende. Und das ungefähr 1000 mal, fertig sind die Malediven.

maldives

So genau weiß niemand, wieviele Inseln es nun wirklich gibt. Unterschieden wird zwischen bewohnten und unbewohnten Inseln, zwischen Riffen und Atollen. Da wegen Ebbe und Flut manchmal Riffe über und manchmal unter dem Wasser liegen, gestaltet sich die Zählung schwierig. 

Atolle sind wie die Schlingen in der Mengenlehre. 

(Kleine Einschiebung: Wir 196x geborenen sind alle in dem Alter, als man in der Grundschule Mengenlehre hatte und die Eltern fast verzweifelt sind, weil die Mengenlehre gleich überhaupt nichts mit dem Leben zu tun hatte undkeine Mutter ernsthaft Lust hatte, die farbigen Stäbchen mit dem desinteressiert hartnäckigen Sohn in Schnittmengen, Teilmengen und Gesamtmengen zu teilen, weil das auch darstellungstechnisch GAR NICHT MÖGLICH WAR und man nicht einsehen könne weshalb die Lehrerin das den Kindern nicht beibringen könne und wieso tut denn der Elternbeirat nichts dann geh doch DU mal endlich zu diesen langweiligen Sitzungen ich habschongenugamBeinmitdemHausundüberhaupt)

Ahem.

luftbild

Man landet also in Male auf einem Rollfeld, das von allen Seiten mit türkisem Wasser umgeben ist und wird in der tiefgekühlten Halle mit grauenhaften Richard-Claydermann-Instrumentals empfangen.

Während die Pauschalis aus aller Herren Länder den Papptafeln ihrer Reiseveranstalter folgen beginnt begint für echte Reisende das Feilschen mit einem goldkettchenbehängten Paradiesagenten. Es endet mit der Übergabe eines Vouchers und einer Baranzahlung.

helengeli

Vier Tage Helengeli Beach Resort kosten soviel wie ein Monat Indien, 120 USD am Tag, Getränke exklusive. Das Speedboat schmeisst die Drei und mich sowie 2 Italiener aus Brescia in einer Stunde in Helengeli auf einen Steg. Zweimal vierhundert PS und ein muslimischer Steuermann mit Kinnpiercing sind ein Erlebnis. Nur einmal hat er angehalten, da klingelte sein mikroskopisch kleines Handy und ein neuer Fuhrauftrag kam herein.

Nachdem in der Neuzeit kein Mensch mehr getrocknete Fische zum Überleben braucht, haben die Malediver ihre Inseln erfolgreich auf Tourismus umgestellt. Der neue Fisch ist der Dollar. Alles wird in Dollares bezahlt: ein Bier 5 Bucks, einmal Tauchen 50 Bucks, einmal Bandscheibenvorfall durch Speedboatfahren 40 Schlappen. Das läppert sich. Aber wann ist man schon mal auf den Malediven. Da darf man nicht knickern.

Der Beach.

fuesse

Weiss, strahlend, ohne Sonnenbrille nicht zu ertragen.

Wasser, badewannenwarme 27 Grad, auch bei den Füssen.

Das war es dann.

Das Plastikstuhlkartell hat hier auf Plastikliegen aufgerüstet. Für jeden Gast eine eigene. Bungalows mit A/C, weiss gefliestes Bad und mitten im Meer jede Menge Süßwasser. 

Die Entsalzungsanlage vollbringt Tag für Tag osmotische Wunder. Herden kleiner Krebse erobern passende Schneckenhäuser und ziehen mit geschulterten Fertighäusern über den Sand. Wenn einem ganz fad ist, kann man die Schalen nummerieren und Rennen organisieren. Die Lagunenwellen kitzeln an die Mangrovenwälder. 

Dort ist Ende Gelände, einmal Insel umrunden nicht länger als eine halbe Stunde.

schwimmen

Dreimal am Tag gibt's Essen. Zwischendurch kann man zusehen, wie sich der Bauchnabel langsam mit Schweiss füllt und wetten, wann er überläuft.

Oder man geht tauchen.

Oder ins Zoogeschäft, Aquarien-Abteilung.

Genausoisses. Wie im 3-D Film im Deutschen Museum. Beim ersten Schnorchelgang erschrickt man förmlich vor der Fischdichte, der Artenvielfalt und dem Farbenreichtum. So viele Fische. Schwärme teilen sich gerade weit genug um den Taucher durchzulassen. Knallbunt schillernde Korallenbeisser, Barsche, kleine Guppies und gar Katzenhaie. Rochen, Mantas usw.

Interessiert eh' keinen. 
Echt viele Fische.

Am dritten Tag kommt man sich vor wie in einem Langzeitexperiment. Man muss schon extrem tauchsüchtig oder sonnenverliebt um eine Woche Malediven zu überstehen.

Ist wie auf den Malediven, auf den Malediven.

Sand in Taschenritzen.
Muschelsammlungen.
Streichholzschachtelgeheimnisse.


stefan knecht auf dem sofa
passage nach indien. 
	    alle folgen