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passage nach indien 2 | von stefan knecht
 
       
     
 

Das Auge des Hobby-Ethnologen beginnt zu wandern. Was alles anders ist. Alles ist anders. Nichts hat einen festen Preis, man handelt von früh bis spät (macht schnell und bald grosse Freude), Sauberkeit ist relativ und Briten meistens bekifft. Oder besoffen. Meist beides. 

Alles fest in Charterhand hier. Tätowierte Bierbäuche, Lederhaut, Melanome im Endstadium. Beschliesse mein Ränzlein zu schnüren und in den Norden Goas zu ziehen, in der Hoffnung auf ein wenig mehr, vielmehr weniger. 

indien indien

Werde von einer nägelkauenden Engländerin aus Nottingham Forrest aufgegabelt. Lucy ist auf der ersten Station einer Weltreise und spricht Englisch wie ein Kölner Deutsch. Sehr originell aber schwierig zu verstehen.

Daheim in England ist sie sowas wie eine Oberkellnerin und hochprofessionell. Sagt sie. Schwierig vorzustellen bei abgekauten Fingernägeln und beängstigendem Haschischkonsum.

indienLucy steht unter Dauerstrom und ist bereits ein paar Tage länger unterwegs. Ein alter Hase. Ihre nächste Station ist Singapur, dann Australien, Neuseeland, Fidschi, USA und wieder heim nach good old UK. Lucy geht nur hin, wo die Leute auch Englisch sprechen. Hübsch ausgedacht hat sie sich das. Weg von daheim und doch nicht sprachlos. 

Lucy kann mir eine Menge beibringen. Wie man mit Händlern umgeht, die einen ständig und überall ansprechen. Oder wie Taxifahrer in den Wahnsinn treibt. Kaum zu glauben, wie flexibel Preise sind, wenn man erst zu schrauben beginnt. 

Von Lucy lerne ich auch, daß die Japanesen im Ausland nichts zu lachen haben. Immer und überall werden sie übers Ohr gehauen. Ohne mit der Wimper zu zucken bezahlen sie meist das Doppelte des Nennpreises. Und niemand hilft. Meist sind sie ganz putzig, nett rausgeputzt, mit possierlichen Schuhen, und glitzerigen T-Shirts und allen Attributen ihrer Welt. Und ein unsichtbares Tatoo auf der Stirn "rip me off". Konsequenterweise liegt der japanische Preis 300% über dem Standard-Touristenmaximum. Alle wissen das, nur in der japanischen Ausgabe des LONELY PLANET scheint es nicht zu stehen.

indienIn Anjuna werden Felljacken für Kinder verkauft. Globalisierung auch hier. Der Händler behauptet, gut fünf Stück pro Saison zu verkaufen. Sehr sonderbar, bei 40 Grad Hitze.

Wo die Japaner tagsüber sind, bleibt ein Rätsel. Beim Sonnenuntergang sind sie alle wieder da. 

Wirklich 1a, der Sonnenuntergang. Wie vom Designer. Capri ist nichts dagegen: man sitzt mit einem dreiviertel Liter KINGFISHER Bier auf dem Kliff, den Rücken an einer Palme, Meer und noch viel mehr Palmen zwischen Kliff, Beach und Meer, rote Glühkugel, blubb im Meer versunken. Die Luft ist von gut hundert Joints dermaßen zähflüssig, daß tiefes Einatmen für andauernde Bewusstseinsstörungen völlig ausreicht.


stefan knecht auf dem sofa
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