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passage nach indien 18 | von stefan knecht
 
       
     
 

Ooty heisst ja eigentlich Udhagamandalam. Das konnten schon die Briten nicht aussprechen, geschweige denn sich merken. Da die Regierungsangestellten den drückenden Sommer in Madras nicht ertragen wollten, wurde zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts aus dem Unaussprechlichen das einfacher zu telegrafierende Ooty. 

sommer palast

Das verschlafene Hill Resort wurde zum Regierungssommersitz und anglisiert: ein verzauberter botanischer Garten, gußeiserne Pracht und blinde Scheiben, ein Offiziersclub im verstaubten Dornröschenschlaf und halbverfallene, an die Hänge geduckte Cottages. Nach Sussex fühlt man sich versetzt, mit einer Prise Australien wegen der duftenden Eukalypthusbäume.

Sogar einen Hunting Club gibt es, der seit Sonia Gandhi, der italienischstämmigen Vorsitzenden der Kongreßpartei, allerdings nicht mehr schießen darf. Ein Jagdverein ohne Schießgewehre.

hunde

Beim geführten Tagestreck durch Berge begegnen einem dennoch Jäger. Anstelle von Büchsen führen sie Hunde an Ketten. Beagles müssen es gewesen sein, zumindest eine verwandte Rasse, mit übergroßem, braun-weiß geschecktem Kurzhaarfell, schlappenden Ohren und triefenden Lefzen. Auf Fotos im Raja-Palast waren die Urgroßväter ebendieser Hunde beim Halali zu sehen.

ticketGejagt werden Wildschweine, Hasen und Fasane. Durch gerufene Kommandos sollen die Jagdhunde die Beute aufspüren und erlegen. Aber nicht fressen. Wie die Tiere das lernen, ist mir ein Rätsel. Einer der Hunde blutet aus einer scharfen Wunde am Bein, ein Wildschwein schien andere Pläne gehabt zu haben. Nach der Jagd werden die Jagdbeagles zwei und zwei eng zusammengebunden und müssen sich als siamesische Zwillinge über die Richtung einigen.


stefan knecht auf dem sofa
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