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passage nach indien 11 | von stefan knecht
 
       
     
 

Diesmal bin ich schlau. Diesmal schlafe ich wirklich und fahre Zug, erste Klasse. Das Takatak-Takatak der Schienen ist allemal angenehmer als das Gehüpfe und das Gehupe und das Gestinke im Bus.

In Indien besteigt man Züge nicht einfach, löst beim Schaffner ein Ticket und freut sich des Lebens. Das wäre zu einfach und würde zu viele Menschen um Lohn und Brot bringen. 

Die Bahn ist staatstragend und der größte Arbeitgeber Indiens. Ganz zuerst muß man wissen, wann der Zug geht und welche Nummer er hat. Dann muß man den richtigen Schalter finden und ein Formular ausfüllen, mit dem (bis hinunter auf den Mädchennamen der Großmutter) alles in Erfahrung über den willigen Fahrgast gebracht wird. Bei TICKET ENQUIERY kann man allerdings keine Tickets kaufen, sondern nur erfahren, wohin welcher Zug mit welchen Wagen, welcher Nummer fahren würde, wenn man sich rechtzeitig bemüht hätte. 

Am lustigsten sind die "fully computerized stations": Der einzige Rechner ist entweder nur sporadisch zu gebrauchen, der Drucker klebt oder der Beamte davor hat den Einführungskurs noch nicht gemacht oder die gesamte Belegschaft ist eben beim Mittagessen. 

Zeit muß man haben, viel Zeit. Geduld und Gottvertrauen. Den Indenr ergeht es da nicht anders, nur wissen die, wen sie in die Schlange stellen müssen. Professionelle Ansteller gibt es, die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als die Bahntickets anderer Leute zu besorgen.

Dreißig Minuten anstehen, um durch eine Glasscheibe zu erfahren, daß es der Schalter nebenan gewesen wäre. Dumm, wenn man kein Kannada lesen kann. Und dann der Computer und das Lunch und die Fortbildung und die Tourist Quota. 

Ruhig bleiben, Tourist ...


stefan knecht auf dem sofa
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