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passage nach indien 1 | von stefan knecht
 
       
     
 

Geht gut los, die Reise: ein freundlicher Zöllner findet meinen Geldbeutel in der Abflughalle. 
Danke, ja ist meiner, danke. 
Mich wundert nichts mehr. 
Fast den Geldbeutel verloren, bevor ich indischen Boden betrete. 

Ein sanfter Aberglaube umschwirrt mich seitdem. 
Wird nichts schiefgehen, bin vom Glück geküßt.

12 enge Stunden später in Goa.

Auf dem Rollfeld ist das Fotografieren verboten. Eine militärische Anlage mit ein paar 25 Jahre alten russischen Hubschraubern. Viele wuselnde Menschen in Uniformen.

Überlege, ob ich den Boden küssen soll wie Johannes P. 
Vielleicht zu kitschig. Lieber nicht.

Die Hitze. Wie wenn man den Backofen öffnet und den Kopf in die Röhre steckt.

Eine Wartehalle, vor den Abfertigungsschaltern lange Knäuel käsiger Briten, hektisch rote Deutsche. Ein wackeliger Föhn verteilt gleichmäßig die Chlorix-Luft. Zum ersten Mal richtige Inder. Dunkle Frauen in schmucken Uniformen und ein mächtiger Offizier mit Rauschebart. Sehr geschäftig. Durch, Geld wechseln - taufrische 100 Rupien-Noten, ein ganzes Bündel. Ich bin reich! Tasche holen und ob des Gewichts umgehend verfluchen. Schwitzend wird mir klar, weshalb erfahrene Traveller nur ein schmales Batiksackerl haben.

indien Draußen erwischt es mich. Mein Indien beginnt hier. Es ist wichtig, einen Startpunkt zu haben. Das Ende findet sich von alleine.

Der kahlgeschorene Hippie, mit dem ich ich in der Halle noch beschloß, ein Taxi zu nehmen, ist verschwunden. 

OK Delta Bravo, we need transportation. Ein grauhaariger Deutscher will sich ein Taxi teilen. Stunden später scheint er zu begreifen, daß ich keineswegs mit ihm ein Doppelzimmer teilen möchte. 

Gabriels Guesthouse nimmt mich auf, Calangute, Goa. Ein tropischer Traum, Fototapete, 300 Rp die Nacht, rund 15 Mark, keine Flöhe, keine Moskitos und 5 Minuten zum Strand.

Sehr befremdlich, plötzlich wo ganz anders zu sein.

indien Dieser Traumstrand ist, wie Traumstrände für gewohnlich sind. Endlos, sauber, Palmen, Sand. Ab und an eine träge dahintrottende Kuh. Mich nervt sowas im Handumdrehen. Was kann man schon groß anstellen außer lesen und sich den feinen Sand in jede Ritze blasen zu lassen. Rauf und runter laufen. 

Viel Cola trinken, sagen alle, sei gut gegen Bakterien. Also trinke ich Pepsi nach Cola und dann wieder Pepsi. Obwohl ich Cola nicht mag, Pepsi auch nicht. Wenn's hilft.


stefan knecht auf dem sofa
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