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mehrzweckhalle | von bernhard praschl
 
       
  otti, schwein  
     
 

"Der Bulle und andere starke Typen, präsentiert von GRUBER HOLZ." Das könnte ein Fall für die Dopingkontrolle sein, flasht beim Österreichischen Fernsehen aber als Intro zum Sport-Jahresrückblick 1999 über den Bildschirm. Auch gut.

Der Bulle, klar, der kommt aus Bad Tölz. Und die anderen starken Typen heissen Hermann Maier, Toni Polster & Co. Was der eine mit den anderen zu tun, ist selbst Ottfried Fischer unklar. Denn außer einmal den Golfschläger für eine Charity-Veranstaltung für Christine Vranitzky, die Frau des Ex-Bundeskanzlers, geschwungen zu haben, gibt es vom Athleten Fischer nicht viel zu vermelden. Gut, seit einigen Wochen halten die gut 150 Kilogramm Lebendgewicht auf Österreichs Plakatwänden, im ORF und in den Zeitungen flächendeckend die Mastercard im Anschlag. Doch davon wachsen auch einem Bayern keine Muskeln.

Und überhaupt: "Wenn i an Turnsaal riech'", so distanziert sich Herr Fischer gleich von Beginn an von der vor Schweiß triefenden Materie, "denk' ich gleich: i hab mein Turnzeug vergessen." Nun, das Turnzeug hat Ottfried Fischer diesmal wirklich vergessen. Er steht im feinen schlank machenden schwarzen Tuch im TV-Studio. Deko ist ein Plexiglas-Pult. Und Zeit wird gerade zur Hauptsendezeit um 20.15 Uhr nicht vergeudet, Fischers Moderation dauert kaum länger als der 400-Meter-Weltrekord. Von einem solchen aber gibt es im ORF-Sport-Jahresrückblick in eigener Sache nichts zu berichten, denn Österreichs Position in der Leichtathletik ist global gesehen nicht einmal eine Position. Muss Otti halt einen Fußball, einen Tennisschläger und - ja, doch - einen Golfschläger in die Kamera halten. Ist ja auch lustig, wenn ein Sofa-Sportler einen auf Sportler macht.

Apropos Sofa. "Ja, liebe Leute daheim auf dem Sofa oder auf dem Faulteuil, wie der Österreicher sagt", sagt Otti, nachdem Schumi sich das Bein gebrochen, Häkkinnen triumphiert, Toni Polster eingenetzt und Steffi Graf ihrem Andre ein Freundschaftsmatch geliefert hat (musikalisch sinnig unterstützt von Robbie Williams' "She's The One"). Ja, liebe Leute, echt blöd, dass Hermann Maier seinen Jahrhundert-Sturz schon im Vorjahr bei Olympia gerissen hat. So fehlten in diesem Sport-Jahresrückblick irgendwie die echt steilen Sachen. Nur Ottfried Fischer war o.k., was ja bei einer Gesamtmoderationsdauer von vielleicht 4 Minuten 55 Sekunden innerhalb einer 55-Minuten-Sendung auch nicht gar so schwierig ist.

Halt, eines war schwer o.k., nämlich der finale Gag: "Ich wünsche mir, dass alle Turnhallen in Mehrzweckhallen umbenannt werden. Dann sans nämlich im März weg."


bernhard praschl auf dem sofa
wunderwelt. alle folgen