100 150
100   150
 
tappsy | von arne boecker
 
       
  tappsy! lecker!  
     
 

Massakern kann jeder. Mit den Zähnen Ohren und Nase wegreißen. Verbiegen, zerren, zermalmen. Keine Kunst!

Aaaaaber:

In den Mund gleiten lassen.
Mit der Zunge Vorder- und Rückseite erlutschen.
Den weichen Körper so im Mund herumschwimmen lassen, daß der winzige Nasenknubbel direkt an den vorderen Schneidezähnen einrastet, mit einem "Klick!", das einem sonst nur die Schaltung des ansonsten durchaus albernen Mazda MX-5 schenkt.
Und dann: wie ein heißes Messer durch Butter, nicht wie ein Meißel durch Stein!
Dasselbe wiederholt sich an den Ohren, die exakt da chirurgisch amputiert (und nicht etwa weggerissen!) werden, wo sie am Rundkopf anliegen.
Der Rest ist einfach: Den ohren- und naselosen Kopf mit ein paar gedämpften Bissen zu einer gallertartigen Masse (ja, ein Spritzer Speichel tut hier gut) zerwalken, mit den hinteren Backenzähnen den Saft melken und runter damit.

"Tappsy" von Katjes: "Lakritzkonfekt mit wertvollem Süßholzsaft. Das bärenstarke Naschvergnügen aus süßem Weichlakritz, kombiniert mit saftig-leckerm Schaum." Zwei Verwandte leben einträchtig in grünem Tütenbiotop: a) weißer Kopf mit roter Nase und schwarzen Ohren, b) schwarzer Kopf mit weißen Ohren. Kenner kauen Katjes a), wegen des höheren Anteils an weißweichem Schaum-Stoff. Die Medien würdigen m.E. viel zu wenig, wie sehr die Menschheit die Erfindung weichen Lakritzes vorangebracht hat. (Ichweiß, ichweiß, es gibt eine Hardcore-Fraktion, aber die hält die Katjes GmbH & Co. KG - Firmensitz: Emmerich! - praktischerweise in einem nahen Reservat namens Holland.)

Es muß hier schnell zur Ehrenrettung von Typ b) angefügt werden, daß er nicht so viel schlechter schmeckt als sein Tütenbruder "Weißkopf", daß man ihn aus der Tüte entfernen und dem Mülleimer überantworten müßte, wie man es bei "Colorado" SOFORT! mit allen orangenen "Dreierdeckern" und den himbeerigen Geleebrocken macht. (Bei meinem jeweils ersten Rendezvous teste ich sie immer mit einem Griff in die "Colorado"-Tüte: Fischt sie den Geleebrocken, fällt mir urplötzlich ein, daß ich diese bahnbrechende Geschichte über die kulturellen Veränderungen, die die Atomkraft ins Wendland gebracht hat, MORGENFRÜH abgeben muß. Wenn das nicht reicht, schiebe ich lässig nach: "SZ, Seite 3 - Du weißt schon" - das kapiert jede. Übrigens: Wenn sie den braunen "Dreierdecker" nimmt, ist sie auch raus: Das sind MEINE! An der Tanke krame ich immer zehn Minuten nach der Tüte mit den meisten "Braunen" - eine déformation professionelle, die man sonst nur von Überraschungseierschüttlern kennt..

"Glukosesirup, Zucker, brauner Zuckersirup, modifizierte Stärke, Gelatine, Lakritz, Milchzucker, Aromen. Säuerungsmittel: Zitronensäure, Kirschsaft. Trennmittel: Bienenwachs."

"Modifizierte Stärke" und ein zweifelsohne schonendes "Trennmittel" names "Bienenwachs": Ist das nicht "letztlich und endlich" (O. Rehhagel) das, was die Welt und die auf ihr lebenden Menschen dringender benötigen als Subaru Vans & Allwettertaft & Knistermilka? So gesehen besitzt Katjes die Formel für`s Weltenheil.

"Tappsy" ist aber nicht nur Soul-, sondern auch ganz dezidiert Sofafood. Nix schmutzt, und in den Ritzen schmiegt sich das weiche Lakritz elegant um die darin liegenden Markstücke und Haarspangen und Matchboxautos herum.

Das kann man von Milkaknister nun wirklich nicht behaupten.


arne boecker auf dem sofa