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Taz? Muss nicht sein...

reformists suck
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Weiss auch nicht, wie es gekommen ist. 12 Jahre habe ich jeden Tag die Taz gelesen. Jetzt nicht mehr. Seitdem Schröder-Fischer- Scharping-Beer an der Macht sind, schaffe ich es immer weniger, nicht permanent Wutattacken zu haben. Geht nicht mehr. Dieses Erich-Rathfelder-Anti-Serben-Gestammel immer noch, als ob er höchstselbst für die Staatsgründung Montenegros zuständig wäre (who the f**k needs another f**g state...). Dieser "Vielleicht sind die Grünen ja doch keine so opportunistischen Arschlöcher" - Mitmach-Kram da drin. Diese Bettina-Gaus-Staatstrag-Kommentare. Die Beilage für unsere türkischen Mitbürger neuerdings, die noch spießiger ist als die Kochrezepte im taz-Mag. Wie der Sportteil schlecht geworden ist, seitdem Peter Unfried Chefredakteur ist und nicht mehr geniale Fußballgeschichten schreibt. Dieses Achselzucken bei der jährlichen Rettungs-Abo-Aktion. Dieses Versagen während des Nato-Bombardements auf Jugoslawien - statt sich einfach um die Wahrheit zu bemühen, wie es der Observer und der Independent und die New York Times geschafft haben. Dieses Normalmaß jetzt immer. Die Werbekampagne, in denen mir ausgerechnet ein Franz Alt oder ein Benjamin Stuckrad-Barre sagen, dass die taz sein muss. Und natürlich geben sie auch jetzt wieder den Israelis die Schuld dran, dass sie sich wehren gegen einen steinewerfenden und aus Kalaschnikovs ballernden Mob, der sehr verdächtig jenem gleicht, der im Osten Deutschlands Immigranten durch die Städte hetzt - vom linken Anti-Semitismus ist die "taz" ja nie frei gewesen.

Geht nicht mehr. Muss nicht sein. Immer weniger. Die Grünen, sagt der Herr Kuhn mit seiner Streberstimme, wollen jetzt aus dem Neinsager-Winkel raus. Wohin wohl? In den Jasager-Winkel. So ungefähr ist die taz auch. Warum eigentlich genügt es nicht, ein Neinsager zu sein - in einer Welt von lauter Ja-, Aber-Ja- und Jein-Sagern wäre das jedenfalls originell.

Komisches Gefühl, keine Tageszeitung mehr zu haben. Okay, die SZ, aber da peinigt mich das Feuilleton. Okay, die Financial Times, aber da fehlt mir das Feuilleton. Wirklich kein gutes Gefühl. Mal sehen, wie lange der Phantomschmerz dauert. Muss drüber wegkommen. Denn ehrlich: Taz? Muss nicht sein.

Peter Praschl


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