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Nur wegen der Texte

playboy
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Das schönste Wort, das einem zum Playboy einfallen kann, stammt von Meike Winnemuth: "Menjou-Muschis" meinte sie, als sie der akkurat getrimmten Schambehaarung der Playmates in der aktuellen Ausgabe ansichtig wurde.

Doch den Playboy muss man weder wegen der Menjou-Muschis noch wegen der Interviews kontrollieren - die Eingangsfrage diesmal, eine journalistische Meisterleistung: "Herr Krug, unter welchen Aspekten sehen Sie fern?". Wenn es death rows für miserable Journalisten gäbe, bräuchten wir George W. als Gouverneur...

Nein, den Playboy muss man kontrollieren, um zu kontrollieren, was die Neue Deutsche Sackgesicht-Literatur so macht. Tristesse Royale-BESSING, der sich selbst ja mal als "gut aussehenden" Schriftsteller bezeichnet hat, trifft Nicolette K., und erzählt einen Artikel lang nicht, was er mit ihr geredet hat, sondern schreibt darüber, wie er mit ihr im Theater saß und Hunger bekam, weil sie auf der Bühne Würstchen grillten und er nichts gegessen hatte, und was er gesehen hat, als er in Nicolettes Handtasche linste. Dazu gibt es immerhin 2 Fotos, auf denen Bessing noch übler als sonst aussieht. Weiters: Uwe Kopf, ein Mann, dessen Namen eine Lüge ist (für diese Lüge wird er aber vom Schicksal gerecht bestraft: Kopf hat panische Angst, dass Kopf-Fotos mit seiner Glatze veröffentlicht werden), Uwe Kopf also grottenschlecht über Leonard Cohen, was mich wieder einmal fragen lässt, warum so unangenehme Leute so häufig dieselben Götter verehren wie ich; und Alexa Henning von Lange steuert eine Kurzgeschichte bei, in der eine Frau zuerst mit ihrem Freund nicht Sex hat, dann aber doch, auf einer Party, in einer Badewanne, in der Bier gekühlt wird, mit einem anderen. Abgesehen davon, dass wir schon bessere Sätze gelesen haben als in dieser Geschichte, wollen wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das mit den Erektionen in Bierdosen-Kühlwasser-Badewannen nicht klappt klappt, Alexa, an solchen Orten hat man, um mit Seinfeld zu sprechen, ein shrinkage problem.

Im Sommer 2001 geht der Playboy übrigens online. Bis dahin bekommt man bei www.playboy.de nur eine Ankündigung zu sehen, dass man bald den üblichen Scheiß zu sehen bekommt. Und, das allerdings sollte man sich ansehen, um wieder mal befreit kotzen zu können: ein Bunny in Schwarzrotgold.

Peter Praschl


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