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Brand eins

wirtschaft
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Brand eins, die Zeitschrift der Leute, die Econy erfunden und dann ihrer eigenen Zeitschrift enteignet [1] wurden. Angenehm: der Bruch mit der Econy-Ästhetik, die ja nur die übliche Ultrawhite- Ästhetik gewesen war. Stattdessen: plain text, sparsam bebildert, auch durch Zeichnungen, was man in Deutschland ja eher selten macht. Sofort sagten die Rezensenten: Wirkt wie ein Buch. Daran merkt man, daß Rezensenten kaum noch Bücher lesen. Brand eins ist eine klassische Zeitschrift, klassischer als die meisten, die wir vorgesetzt bekommen: Es steht was drin, und was drin steht, ist meistens neu, hat man noch nicht gehört, gelesen, bedacht. Und statt der üblichen Gebrauchsanweisungen ("50 Methoden, viel Geld zu machen", "Worauf Sie beim Ausbeuten achten müssen" usw.) gibt es tatsächlich Geschichten, also Zusammenhänge [2] zu lesen. Im ersten Heft: eine schöne Polemik von Detlef Gürtler und Wolf Lotter gegen die Transrapid-Gegner. Ein Satz: "Deutsche wollen an den Strand, nicht aufs Meer". 
Der einzige, allerdings sehr große Brand eins-Fehler ist wie schon bei "Econy" diese Start-up-Obsession. Alles, was Start-up ist, ist gut, der Businessplan des Monats sozusagen. Unsere neue Sozialromantik: Menschen, die 18 Stunden arbeiten, im Office unterm Schreibtisch pennen, T-Shirts tragen und Pizzas futtern, sind gut, die anderen stehen unter Schnarchsackverdacht. Ich kann mich noch erinnern, daß Fortschritt mal darum ging, Arbeit abzuschaffen. Jetzt machen die Produktivkräfte immer mehr Arbeit statt weniger. Und uns bleibt nichts anderes übrig, als das zu romantisieren..

Peter Praschl


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