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Joachim Bessing
geht essen

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Joachim Bessing [1] sagt, er wolle das Wort "ausgezeichnet" in "die deutsche Literatur zurückbringen". Eben hat er das Buch "Tristesse Royale" herausgebracht, in dem er mit vier Kollegen, den usual suspects Kracht, von Stuckrad-Barre, von Schönburg und Dr.Nickel über den Lauf der Welt und die eigenen Stellung darin plaudert. Wie das mit Königen heutzutage so ist, müssen sie sich verdingen, um ein Auskommen zu finden. Bessing schrieb bis vor nicht allzulanger Zeit [2] eine gastronomische Kolumne in der ausgezeichneten BZ, jede Folge ein Kracher, in keiner ein Schmäh. Wir zitieren aus einem Stück über ein Restaurant mit österreichischer Küche:

"Im Austria fühlt man sich allerdings nicht wirklich in kaiserliche Zeiten zurückversetzt. Der Gastraum ist vielmehr ländlich, mit viel geschnitztem Holz und Geweihen an den Wänden. Wir nahmen an einem gemütlichen Ecktisch Platz und ließen die Einrichtung auf uns wirken.
Angenehme Erinnerungen an unseren letzten Aufenthalt im Weinviertel nahe der slowakischen Grenze wurden wach; nur daß man hier beim Blick aus dem Fenster keine Ölbohrtürme sehen konnte. Auch das Essen erinnerte uns an die dortigen Wirtshäuser. Wir bekamen einen hervorragenden Schweinsbraten, der zwar ohne Kruste serviert wurde, dafür aber herrlich zartfaserig und fein war. Der eigentliche "Schmäh" (österreichisch für Kracher) dieses Gerichts aber war der Semmelknödel: wattig, fein gewürzt und so groß, daß der Schweinebraten in seinem Schatten kaum zu finden war.
Dieser Knödel war die kaiserliche Krönung und ließ uns alle Schnitzelträume vergessen. "

Auf der Stelle wünscht man sich einen anständigen Thermidor.

Peter Praschl


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