logo 190
nav300
 
190

Himmel. Schauen.

himmel
190 300

Über den Himmel ist viel und wenig gesagt worden. Manchmal scheint es, als würde desto weniger gesagt, je mehr über ihn gesprochen wird. Der meteorologische Diskurs löst ihn ebenso auf wie der theologische, in dem er nur eine Metapher ist, Heimat der Götter. Der Blick will sich bei ihm  oft nicht aufhalten, geht noch weiter, gleich zu den Sternen, als wäre der Himmel gar nicht erst da. Und trotz Constable und Turner, die den Himmel für die Kunst entdeckt haben, gibt es bemerkenswerterweise keine motivgeschichtliche Monographie über den Himmel. Möglicherweise könnte einem der Himmel beibringen, wie kurz die Begriffe reichen: er entzieht sich ihnen immer gleich wieder. Der Wolkengucker hat nichts, tut nichts, fängt nichts in seinem Blick, es lässt sich ja auch nichts fangen. Insofern ist der Himmel das purste ästhetische Ereignis, noch vor dem Feuerwerk, das ja gemacht ist: pures Erscheinen, das sich selbst verzehrt. Möglicherweise muss man sich also darauf beschränken, zu schauen. Das Sky Book des amerikanischen Fotografen Robert Misrach schaut. Lauter Himmelsfotografien, Versuche, den Himmel stillzustellen. Es gelingt nicht. Quod erat demonstrandum. Man schaut hin, und alles löst sich gleich wieder auf, die Wolken ziehen weiter.

Peter Praschl


190 index