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What the f**ck is Le Sofa Blogger?
Das Weblog von Sofa | A Virtual
Hangout, einem Ezine für das Leben im Liegen. Während das
Sofa nach Bedarf, aber für die Ewigkeit (you wish!) aktualisiert wird
und disziplinierter ist, wird Le Sofa Blogger (fast) täglich
fortgeschrieben, von mehreren Beiträgern bedient und sowohl thematisch
als auch stilistisch nicht frisiert. Das merkt man ihm gelegentlich auch
an.
What the f**ck is a weblog?
Weblogs sind häufig aktualisierte, relativ persönliche Websites
mit kurzen, link-intensiven Beiträgen.
Klassisches Beispiel: Ein Web-Designer, sagen wir mit dem Schwerpunkt
Navigation, schreibt kommentierend über die Websites, die ihm beim
täglichen Surfen auffallen, weil sie eine bedenkenswerte Navigation
haben. Oder ein Fan von japanischen Mangas gibt Auskunft darüber, was
er so gefunden hat und für interessant befindet.
Deswegen der Name: Web-Log. Logbuch. Chronik dessen, was man im Netz macht.
Also: eine Art persönlicher Filter, ein Reader´s Digest, der
öffentlich gemacht wird - als ganz normale Web-Seite.
Weblogger jagen, sammeln und annotieren Links. Und der Leser guckt ihnen dabei zu.
Mehr ist das nicht, war das ursprünglich nicht. Eine recht banale
Angelegenheit. Könnte man auch als Email machen, als Mailing-Liste,
oder als Forum.
Was man als Leser davon haben könnte, hängt von den eigenen
Interessen und der Qualität des Weblogs ab (bin ich nicht erfrischend
banal?). Wenn ich mich für eine bestimmte Programmiersprache,
thailändische Innenpolitik, Snowboards, spätmittelalterliche
Malerei usw. interessiere, und es gibt einen Weblogger, der passioniert das
Netz nach Informationen durchforstet, die mich interessieren, wird es mich
bilden, mir weiterhelfen, mir Freude bereiten. Sonst nicht. Aber so ist es
mit allem, was publiziert wird.
Dann gibt es da noch alle möglichen, nichtklassischen Mischformen.
Kollaborative Weblogs: Mehrere Leute stellen eine Website zu einem
bestimmten Thema auf die Beine. Sagen wir: Drei New Economy-Beobachter
tragen zusammen, was sie lesen, hören, erleben, werten Nachrichten
aus, filtern Informationen. Der eine kennt sich besser mit Venture Capital
aus, der zweite analysiert Business-Pläne, der dritte beobachtet
Personalfluktuationen. Schon hat man einen kleinen, alternativen
Nachrichtendienst, ein clipping service, eine private Online-Zeitung.
Weniger Links, mehr Ich: Weblogs, die dazu tendieren,
Online-Tagebücher zu werden. Also eher privat, weniger spezialisiert,
weniger "nützlich". Jemand setzt sich jeden Tag hin und schreibt
über sein Leben - jedenfalls über das, was ihm daran
öffentlichkeitswürdig erscheint. Und erzählt manches dabei,
indem er auf Stellen im Netz verweist. Sozusagen: sich selbst in Links
erzählen. Kann spannend sein.
Wenn das so banal ist, warum soll es dann so cool, hip, neu oder sonstwie aufregend sein?
Einerseits:
Das liegt am üblichen "early adopter"-Phänomen. Es gab eine Zeit,
da hatte noch nicht jeder seine eigene Homepage, einen Palm-Organizer, ein
Handy: also war es DAS große Ding, eine Homepage, einen Palm, ein
Handy zu haben.
Jetzt sind Weblogs dran. Wenn es genug davon gibt, werden sie nicht mehr
cool sein.
Andererseits:
Hinter den Weblogs stehen ein paar Software-Lösungen, die die
Angelegenheit sehr interessant für Menschen machen, die sich mit dem
Thema "Im Netz publizieren" beschäftigen. Man muss seine Web-Seiten
nicht mehr offline basteln (wozu man zumindest minimale HTML-Kenntnisse
haben muss) und dann per FTP auf den Server laden, sondern erledigt das
Editieren im Browser. Ohne HTML. Über ein Interface, in das man seinen
Text schreibt, um dann auf eine Schaltfläche zu klicken und für
die Webpage freizugeben. Die Software setzt den Text-Beitrag dann dort ein,
wo man es vorher festgelegt hat, formatiert automatisch, gibt dem Beitrag
eine identifizierbare Nummer (dadurch wird er verlinkbar), usw.
Das macht das Publizieren immens bequem: Das einzige, was man zum Beispiel
bei Blogger tun muss, ehe man ein Weblog startet, ist: Templates zu
entwerfen (wie soll eine Überschrift aussehen, wie breit ist eine
Spalte, wie groß der Durchschuss, wie sehen Links aus usw.) und die
richtigen ftp-Pfade einzutragen. Falls man nicht genug HTML beherrscht, um
sein eigenes Template zu stricken, kann man sich für ein von Blogger
angebotenes entscheiden (darum sehen viele Weblogs gleich aus...) Nachdem
man das hinter sich gebracht hat, ist das Publizieren automatisiert.
Für fortlaufende, täglich aktualisierte, ästhetisch nicht
wechselnden Ansprüchen unterworfenen Publikationen ist das sehr
arbeitserleichternd (Tageszeitungen sind übrigens fortlaufend,
täglich aktualisierte, ästhetisch nicht wechselnden
Ansprüchen unterworfene Publikationen...).
Man muss sich also nur einmal mit der Form, dem Layout beschäftigen.
Danach nur noch mit den Inhalten. Dass das GUT ist, müsste Schreibern
eigentlich einleuchten: Man will schreiben und veröffentlichen, was
man zu schreiben hat, ohne jedesmal darüber nachdenken zu müssen,
ob der Fließtext richtig fließt, wie die Überschrift steht
etc. Trennung von Form und Inhalt hat viel für sich, jedenfalls,
solange die Form neutral ist. Wie bei "normalen" Büchern - da legt man
einmal die Schrift fest, und dann lässt man den Text setzen (und
eliminiert vielleicht noch die Hurenkinder).
Noch etwas: Weblogs sind ein sehr geeignetes Genre für kürzere
Texte. Die werden einfach chronikalisch untereinander weggedruckt. Die
neuen stehen oben, für die alten muss man nach unten scrollen.
Chronikalische Anordnungen versteht jeder Leser, also muss man sich keine
Gedanken machen, wie man Disparates sortiert. Bei einer Tageszeitung macht
man sich ja auch keine Gedanken darüber, warum da jetzt etwas
über einen Karnevalsprinzen UND Bombardements auf den Irak UND die
Volleyball-Nationalliga steht - sondern man weiß, das alles ist eben
am Vortag geschehen. Bislang gibt es nicht allzuviele einleuchtende Ideen,
kurze Texte im Netz zu veröffentlichen: Jeder auf eine Seite? Wie
verlinkt man das dann? In Weblogs wird das ganz schlicht gelöst:
Tages-Einträge. Und es gibt nur EINE Seite. Das genügt auch und
ist für den Leser bequem: er braucht nur eine Seite anzusteuern und
muss sich nicht bei jedem Besuch in die Website-Tiefen vorarbeiten.
(Für Medienkonzerne wäre das also nichts, weil die nach Page
Impressions geiern, damit sie Werbebanner verticken können.)
Natürlich funktioniert das nur, wenn die Inhalte einigermaßen
überschaubar sind: 100 Beiträge am Tag wird man anders
organisieren, längere Texte wird man anders präsentieren
müssen, eh klar. Aber für alles, was kürzer ist,
chronologisch organisierbar, ästhetisch automatisierbar (die
schlimmste Wendung, die mir seit Monaten eingefallen ist, aber hey, lassen
wir sie einfach stehen...), für all das sind Weblogs eine recht
brauchbare Form.
Jetzt sollte man noch sagen, was an Weblogs nerven kann:
(1) Wie bei allem, was als das Große Ding gefeiert wird, kann man
ermüdende und recht dumme Große-Ding-Rituale beobachten. Viele
Weblogger verstehen sich als Teil einer Community. Also linken, bejubeln,
kommentieren sie einander: Das ergibt dann schnell geschlossene
Kreisläufe (obwohl man ein Weblog gestartet hat, um die weiten
Prärien des Netzes zu erforschen...). Es gibt die Institution des
"Backlinks": Weblog A sagt, dass Weblog B ganz dufte ist, und deswegen muss
Weblog B sagen, dass Weblog A rockt. Devise: Wir konstruieren uns eine
mutual appreciation society. Man ahnt, dass das Leute anzieht, denen man
anmerkt, dass sie es nötig haben.
(2) Am schlimmsten sind natürlich Pioniere. Die Typen, die schon
Weblogs gekannt haben, als sie noch in kleinen finnischen Clubs vor acht
Leuten gespielt haben und noch nicht in der Köln Arena. Pioniere
bewachen die Ethik, drücken Abscheu und Verachtung aus, wenn es zu
wenige Links gibt, usw. Wie Pioniere eben so sind (es gibt aber auch
freundliche Pioniere, die ihr Wissen und ihre Hilfe zur Verfügung
stellen).
(3) Je einfacher das Veröffentlichen ist, desto mehr recht einfach
gestrickte Gemüter veröffentlichen sich. Wenn ich mir keine
Mühe geben muss, Leute wissen zu lassen, dass heute schönes
Wetter ist, sage ich es ihnen halt, 57 Tage hintereinander, in immer
denselben Worten. Die Folge: viele Weblogs lesen sich wie die
Tagebücher, die man mit zehn geschrieben hat und an die man sich nur
ungern erinnert: "Heute schönes Wetter. Wieder Fischstäbchen
gegessen. Mama war böse. Am Nachmittag musste ich Zimmer
aufräumen. Mal sehen, ob Mama morgen wieder lieb ist." Das
Weblogspezifische wäre, dass bestimmte Wörter verlinkt sind -
Wetter führt zum Yahoo-Wetter, Fischstäbchen zu
Fischstäbchen.com, Mama zum Forum, "Böse Mamas" usw.
Ich wollte das nicht unerwähnt lassen. Natürlich gilt: je mehr
Weblogs, desto mehr schlechte - in absoluten Zahlen. Andererseits halten
wir auch nicht Miles Davis für Müll, weil es immer mehr Zlatkos
gibt.
Sind Weblogs eine Medien-Revolution?
Erstens: Nein. So leicht sind Revolutionen nicht zu haben.
Zweitens: Da ist schon einiges, worüber man nachdenken könnte.
Das Veröffentlichen wird leichter, expertenunabhängiger, sagen
wir mal: demokratischer. Weblogs (auf das technische Prinzip reduziert)
ermöglichen es, dass Inhalte wieder wichtiger genommen werden (weil
von der "Form" - Ihr wisst schon, dass ich damit nicht den Satzbau und das
Vokabular meine - getrennt). Man könnte sich zu fünft zusammentun
und ohne große Investitionen ein tolles Ding hinstellen, wie es die
großen Konzerne nicht hinbrächten. Man kann auf eine
hübsche, intuitiv verständliche Weise Expertenwissen unters Volk
bringen, ohne die ganze Knete für Markteinführung, Vertrieb usw.
zu brauchen, und ohne die technische Abteilung, die man auch nicht bezahlen
könnte. Da ist schon einiges drin - als Potenz.
Natürlich konnte das Netz das alles auch bisher schon: Aber mit
Weblogs ist es einfacher geworden. Manchmal ist das wichtig, manchmal sogar
entscheidend.
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