logo
100 150
100 7 maschinen von gaby hauser 150
100    150
2

IBM selectric typewriter.

selectric

Sie war knallrot und irgendwie spacig. Schon nach dem ersten Blick war ich ihr verfallen. Ich spreche von der Divina aller Sekretärinnen-träume, der IBM-Kugelkopf-Schreibmaschine. Kurviges Metallgehäuse mit Hammerschlagoberfläche, chamoisfarbene Tasten und in der moderneren Version mit der himmlischen Korrekturtaste. Vertippen war endlich keine Katastrophe mehr. Schwups mit der TippEx-Taste drüber, und alles war gut.

Der absolute Knaller aber war das zierliche, virile Aluminiumköpfchen unter der Abdeckklappe. Der Chef-Entwickler bei Big Blue musste ein Pilzsammler gewesen sein, wie sonst hätte dieser Wiesenchampignon-Hut aus Leichtmetall seinen triumphalen Weg in die Daktylographie gefunden? In genialer Manier hatten die Herren Ingenieure die Buchstaben und Sonderzeichen wie auf einem Mini-Globus angeordnet. Wurde ein Buchstabe angeschlagen, drehte sich die Kugel in Bruchteilen von Sekunden in die gewünschte Richtung und schlug aufs Papier. Mon cher Typenhebel adieu. Später habe ich irgendwo gelesen, dass der gigantische Erfolg dieses Schreibgerätes darin begründet lag, dass es in sieben Farbtönen lieferbar war, also Macht der Farben und der Frauen statt Wunderwerk technischer Genialität.

Als meine schlanken Elegance;-Finger 1980 auf der Tastatur der IBM Selectric Platz nehmen durften, hatte sie schon zwanzig Jahre auf dem Buckel und war von den Vorstandsvorzimmern großer Konzerne endlich auch in die Niederungen der Normalbüros gelangt. Ich werde unsere erste Begegnung niemals vergessen. Da stand das göttliche Schreibgerät auf dem viel zu niedrigen Schreibtischchen im Salon einer großbürgerlichen Grunewald-Villa, die vom Wissenschaftszentrum als Büroraum zweckentfremdet wurde. Für den herrlichen Stuck hatte ich keine Augen, der Blick über die Terrasse in den Park sagte mir nichts. Ich musste diesen Aushilfssachbearbeiterinnenjob unbedingt haben, weil das Bafög auslief, und die Aussicht bestand, künftig jeden Tag an dieser Maschine arbeiten zu dürfen. Meine Güte, es war ein großer Augenblick, als ich das erste Mal meine Finger in Grundstellung a-s-d-f links und j-k-l-ö rechts auf die würfelförmigen Tasten legte und lostippte. Kein Vergleich mit den alten mechanischen Kisten, auf denen ich das "Zehn-Finger-Schreiben" erlernt hatte. Um auf einer Orga Privat eine vorzeigbare Anschlagszahl zu erreichen, brauchte man Kraft, viel Kraft in den Fingern. Man musste den Typenhebel mit einigem Effet auf das Farbband dreschen, doch schlug man zu kräftig an, erwiesen sich die Os als Locher; war man aber zu zaghaft, enstand ein unregelmäßiges Schriftbild. Fräulein Bügler, meine Schreibmaschinenlehrerin, pflegte in einem solchen Fall maliziös ihre French Nails weiter zu polieren und eine glatte Sechs zu vergeben. Besonders anstrengend war der Kraftakt bei den Großbuchstaben, nur mit den kleinen Fingern musste man den ganzen Wagen anheben und mit den restlichen vier Fingern weiterschreiben.

Als Herrin der roten IBM des Drittmittelreferenten Uwe M. empfand ich es als Luxus, dass ich nunmehr zwei Schrifttypen zur Auswahl hatte. Im Dauereinsatz war der Kopf mit den Times-Typen, in der Schublade lag die Silberkugel mit den Courierbuchstaben für besondere Anlässe und meine privaten Love Letters.

Keine weitere Revolution der Schreibtechnik hat mich je so fasziniert wie die Kugelkopfmechanik. Gut, da war noch meine Olivetti Praxis Memory 45 D, die einen Speicher für 7 500 Zeichen hatte und durch die ich eine erste Ahnung bekam, wie das Arbeiten mit einem Computer sein würde. Wahnsinnig geliebt habe ich auch meinen ersten Apple SE, der 1989 bei Lasec meinen Weg kreuzte und heute unter seiner Plastik-Abdeckung ein Jammerdasein ganz weit oben im Regal führt. Doch keine war so gut wie die Kugelkopf-Schöne von IBM, die übrigens in diesem Jahr vierzig wird.

gha
7
 
       
2

qualitätszentrifuge von miele.

zentrifuge

Noch bevor ich in die Schule kam, musste ich abends um sechs immer ins Dorf gehen, um Milch zu holen. Zwei Liter in einer verbeulten Aluminiumkanne mit Holzgriff. Der Bauernhof, von dem die Milch stammte, gehörte einer Schulfreundin meiner Mutter. Aber über die Milchwirtschaft herrschte immer noch die Altbäurin Veronika, die man "Verone" nannte - mit Betonung auf der Endsilbe. Sie war eine mürrische, immer schlecht gelaunte Alte, die nur dann erträglich wurde, wenn sie meinte, mir neuen Klatsch und Tratsch aus dem Dorf entlocken zu können.

Nur mit großer Mühe konnte ich die geschnitzte Holztür des alten Hauses aufstemmen. Durch einen dunklen Flur, auf dem es unvorstellbar nach Tieren und Mist stank, gelangte ich in eine enge Milchküche, die direkt neben dem Stall lag. Meist musste ich warten, bis mir die Hausherrin mit dem Litermaß meine Kanne füllte, da sie die frischgemolkene Milch erst durch die Zentrifuge jagte. Das war ein schwarzes gusseisernes Ungetüm mit Handkurbel. Obenauf thronte ein bauchiges Sieb, über dessen Löcher ein Löschpapierfilter gelegt wurde, um all die schwarzen Krümelchen aus der weißen Flut zu fischen. Da ich mich immer vor diesen "Fischen" geekelt habe, weiß ich bis heute nicht, was da abgefangen wurde. Der geprägte Schriftzug "Miele AG" am Rumpf der Milchschleuder war im Laufe der Jahre abgeschabt und von Rinnsalen ganz verklebt. Sie stand auf einem Podest und hatte zwei Abläufe, die wie ungelenke Schwanenhälse nach rechts und links ragten. Unter dem breiteren wurde eine Zehn-Liter-Kanne platziert, in die nach dem Schleudern die entrahmte Milch lief. Auf einem Hocker stand ein großer Emaille-Eimer für die Sahne, die aus dem anderen Rohr plätscherte, wenn Veronika mit erstaunlicher Geschicklichkeit die Handkurbel drehte. Anscheinend machte die Miele-Qualitäts-Schleuder ihre Arbeit gut, denn beim Abendessen beklagte sich meine Mutter fortwährend darüber, dass in der bläulich schimmernden Milch "nix mehr drin" sei. Ganz kapiert hab ich das nie.

  
       
3

novotronic.

trockner

Gestern wurde er von den freundlichen Herren von Wertheim geliefert. Es gab ein bisschen Stress, weil wir keine Scheckformulare im Haus hatten. Später stellte sich heraus, dass wir doch welche hatten, aber die dazu gehörige Scheckkarte längst von einem der gefräßigen Bankautomaten "zu Ihrer eigenen Sicherheit" eingezogen worden war. Die nun schon merklich abgekühlteren Herren drohten ihn wieder auf den Lieferwagen zu laden; nur ein schneller Sprint zum Bankautomaten an der Ecke Bundesallee verhinderte das Schlimmste.

Nun sind wir also, zehn Jahre nach Abschluss der Windelphase unserer Tochter, glückliche Besitzer eines Wäschetrockners. Nie wieder Wäscheständer, die unser stuckverziertes großes Zimmer zum Trockenboden degradierten.

Er ist von Miele, was sonst? Seit ich denken kann, preisen Mutter, Großmutter und Tanten die Maschinenbaukunst aus Westfalen. Schließlich hat die mit Holz beheizte Großraum-Waschmaschine aus Gütersloh der zwölfköpfigen Maurermeisterfamilie seit Anfang der Fünfziger Jahre nie den Waschdienst versagt und damit Standards gesetzt. Das gute Stück wurde von meiner Mutter in zweiter Generation bis vor rund fünf Jahren im Einsatz und in hohen Ehren gehalten. Selbst zum Putzen der frisch aus der Erde gezogenen gelben Rüben wurde die Trommel höchst erfolgreich in Schwung gesetzt.

Wo war ich stehen geblieben? Ja. Beim Novotronic Super T 699 C. Von außen ist er unspektakulär. Eine weiße Kiste halt. Aber, auch wenn ich es nicht gerne zugebe, ich hab ungeahnt viel Freude an diesem Gerät, so dass ich laufend durch die Wohnung rufe, ob da noch unentdecktes schmutziges Zeugs rumliegt, damit ich endlich waschen und den Trockner anwerfen kann.

Es geht so himmlisch einfach: Orange Taste "Tür" drücken. Plopp, noch in der selben Sekunde springt sie hoch motiviert auf. Kurzer Check des Kondenswasser-Behälters oben links. Ist das Flusensieb in der Tür sauber? Wenn nicht, kratzt man die filzplattenähnliche Fasernhinterlassenschaft der letzten Trocknung einfach vom Kunststoffgitter (Beuys hätte das Gänsehaut an den Innenseiten der Oberschenkel gezaubert, soviel ist sicher), und dann kann es losgehen. Zwischen Extratrocken und Mangelfeucht ist alles möglich, sogar glätten und finishen von Wollsachen stehen auf der Menükarte. Was das Herz einer Hausfrau der schlampigeren Natur zum Tirilieren bringt, sind Zusatzfunktionen wie Schonen und Knitterschutz für feinere Stöffchen. Die Sache mit der Kaltluft hat sich gleichermaßen als supernützlich erwiesen. Das lästige Aufhängen zwischen den Doppelfensterflügeln im Altbau entfällt ebenfalls, denn alle müffelnden Klamotten kommen eine Viertelstunde zum Kalt-Luft-Wirbeln in der Trommel, und alles ist frisch. Auf dem orangefarbenen Display kann man die Zeit ablesen, wie lange der Wind noch durch die Trommel pfeifen muss, bis der gewünschte Trocknungsgrad erreicht ist. Praktische Sache.
Es gibt nur eine Sache, die am Super Novo ziemlich nervt ­ das Röhren der Luftströme. Könnte sich ändern, wenn wir die Stromrechnung im Haus haben.

  
       
4

satinelle von philips.

satinelle

Alle vierzehn Tage hole ich das kleine Gerät aus dem Badezimmerschrank, um meiner Beinbehaarung Beine zu machen. Ich nehme es aus dem kleinen Säckchen mit der babyblauen Kordel, wo es zusammen mit dem Netzteil und dem Luffa-Massage-Pad auf seinen nächsten Einsatz wartet. Satinelle ­ der Name ist eine Frechheit, weder hat der Enthaarungsvorgang selbst im Entferntesten etwas mit Satin zu tun, noch fühlt sich die Unterschenkelhaut wie glänzender Stoff an, wenn man die Tortur überstanden hat. Aber ich will nicht meckern, ich hab keine Mark für das Teil bezahlt; ein großer Verlag hat es mir geschenkt, bloß weil ich jetzt regelmäßig so tue, als läse ich sein Journal.

Die Form der kleinen Foltermaschine erinnert mich an den ersten Rasierapparat meines Vaters. Ein Remington, den ihm sein Cousin, der Hauptmann Joseph, aus Kalifornien mit einem unverschämt überlegenen Lächeln geschenkt hatte. In elegantem Hell-Curry und flott durchgestylt unter Beachtung der ergonomischen Anforderungen macht das Gerät schon auf den ersten Blick was her. Wenn man den asymmetrisch hohen Deckel abnimmt, kommen fünf rotierende Pinzettenscheiben zum Vorschein.

Für alle Männer erkläre ich den Vorgang des Satinellierens jetzt mal ausführlich. 1: Wer sich die Beine enthaaren will, darf sie keinesfalls zuvor eincremen. 2: Erst mal mit dem Luffa-Massage-Pad alle Härchen nach oben bürsten. Also quasi Aufstellen, damit die Pinzetten-Kavallerie dann leichtes Spiel hat. 3: Die Pinzetten immer von unten nach oben ansetzen. Warum eigentlich, frag ich mich gerade? 4: Zwischendurch mal den Pinzettenrädchen ein Auspusten gönnen. Dann geht's wieder leichter. 5: Das kleine Foltergerät solange auf die Jagd nach schwarzen Haaren zwischen Knöchel und Schambein schicken, bis sich auch die letzten Partisanen ergeben. Das war's. Jetzt darf gecremt und gekühlt werden.

Wenn man sich an die Sache einigermaßen gewöhnt hat, ist von Schmerz keine Spur mehr. Klar, einen Tick unangenehm ist es schon, aber mit Grausen erinnere ich mich an die Zeit vor Satinelle. All die Mühe mit der Wachsmethode. Mal war das klebrige Zeugs zu heiß, wenn man es mit dem Tortenspatel auf die Beine auftrug, dann gab es zu den Ausreißschmerzen auch noch unschöne Brandrötungen. War man nicht mutig genug, was die Temperatur anging, dann funktionierte die ganze Wachserei nicht.

  
       
5

braun standmixer.

standmixer

Weißer konisch geformter runder Sockel mit einem olivgrünen Drehknopf von 0 bis III, darüber steht BRAUN. Auf dem Motorgehäuse sitzt ein von einem Metallring umgebenes Schnitzelwerk mit vier Schneidehaken. Darüber steckt ein kannenartiger Glasbehälter mit Ausgussschnabel. In die gläserne Wandung sind Mengenangabenskalen in Liter und Cups eingearbeitet. Gekrönt wird diese Küchenskulptur von einem Plastikdeckel mit einem abnehmbaren olivfarbenen Hütchen. Was ist das? Die deutsche Ikone aller Mixer.

Ich hatte mir geschworen, wenn ich jemals eine eigene Küche besitzen sollte, der und kein anderer würde als erstes angeschafft. Warum ?

Weil es in den Sechziger Jahren im Schwarzwald fast jeden Tag zum Mittagessen als Vorspeise Suppe gab. Und weil einem auch die leckerste Nudelsuppe mal zum Hals raushing, standen in vielen Küchen diese Häckselmonster namens Mixer. Meine Oma Lina hatte den Besten. Den von Braun. Was schüttete sie da nicht alles rein, um es zu Brei zu verarbeiten. Stecker in die Dose, auf III gestellt, und um Nu wurden auch die dicksten Brokkoli-Strünke, die stattlichen Möhren, das ganze Gartengrünzeugs zu einer sämig-flüssigen Masse. Im Spätsommer ekelte ich mich am liebsten vor zerhackelten entkernten Tomaten, die ich meiner kleinen Schwester als Geisterblut präsentierte. Später kreierte dann mein kleiner Bruder das Wort Mixsuppe als Schimpfwort für alles, was ihm nicht schmeckte. Wenn er Zoff machen wollte, schleuderte er dieses Unwort sehr zum Leidwesen meiner äußerst kochbegabten Mutter in die Küchenarena und sorgte damit für Familiendramen, an deren quälenden Nachwirkungen der gute Hellinger sich wohl die Zähne ausbeißen würde.

Anders als der verwöhnte Junior liebe ich bis heute Suppen jedweder Ingredienzien ­ egal ob gerührt oder gemixt, ausgenommen Delikatessen wie Augen, Hoden oder Echsenfleisch als Brüheneinlage. Das scharfe Teil von Braun steht immer noch in meiner Küche und wird mich überleben, da bin ich sehr sicher. Die zwei Hunnis, die es gekostet hat, waren bei Licht betrachtet bislang eine der besten Investitionen in meinem Leben und besonders dann, wenn man bedenkt, dass ich sie mir mit gefakten Verbraucher-Interviews für Emnid ziemlich easy verdient habe.

  
       
6

rollei p 8400 s.

super8

Gibt es dieses unverwechselbare Geräusch heute noch? Rattern, Knattern? Wenn der Lochstreifen eines Super-8-Films zwischen Linse und Lampe vorbeiläuft? Ich hab es wirklich lange nicht mehr gehört. Warum eigentlich nicht? Der Rollei-Projektor hat doch alle Umzüge überstanden, obwohl wir nur drei Filme besitzen. Der Apparat war eine Trophäe meiner Flohmarktzeit Ende der Siebziger Jahre, als Berlin nur für seine Trödelmärkte und das Fehlen der Sperrstunde bekannt war. Wir brauchten dringend ein Abspielgerät, um uns endlich die Super-8s unseres ersten gemeinsamen Sommers in Griechenland ansehen zu können. Und weil es die Zweite Hand noch nicht gab, blieb nur der Trödel am "17. Juni". Schon am zweiten Samstag fand sich ein Ex-Schmalfilmer mit korrekten Preisvorstellungen. Er wollte auf die Kanaren auswandern und musste dringend seinen Krempel los werden. Im Preis inbegriffen waren zwei Disney-Trick-Filme ca. 45 m lang. "Das sensationellste Fußballspiel" (auf der Hülle steht, der erfolgreichste Heimkinofilm überhaupt, kein anderer wurde so oft verkauft) und "Dschungelbuch". Das Gerät war kinderleicht zu bedienen. Zuerst musste man den linken Deckel abnehmen, um an die Schalter zu kommen und die Rollenhalter oben ausklappen zu können. Filmrolle aufsetzen, fixieren, den Streifen einfädeln, schon konnte es los gehen.

Wir wohnten damals in Kreuzberg 61, in einer Zweizimmer-Hinterhofwohnung, ohne Dusche, aber mit thronartiger Innentoilette direkt neben der Eingangstür. Im großen Zimmer war immer Winternachmittag, weil das Fenster von der Fassade des Quergebäudes zu mehr als der Hälfte verdeckt wurde. Der düstere Hinterhof war verdammt eng. Im Sommer, wenn in den Wohnungen die großen Fensterflügel offen standen, schwemmten alle Hörspiele, die das Leben schreibt, wie eine Flutkatastrophe bis in die Abstellkammer. Als es wieder mal besonders schlimm war mit den Honks aus dem vierten Stock, kamen wir auf eine rettende Idee. Der Rollei wurde auf die Fensterbank gepackt und vis-a-vis an der Brandmauer ausgerichtet. Lautstärke, volle Kanne. So präsentierten wir unseren Mithinterhäuslern in der Hornstraße 21 Mogli, Balou und seine Freunde als Vorfilm. Trickfilm-Fußball als Hauptattraktion hinterher. Von jetzt auf eins war Ruhe im Karton. Man griff zu den Sofakissen und stapelte die Riesentitten und Bierbäuche auf die Gesimse. Oh Gott, war das eine schöne, warme Julinacht. Zum Schluss gab es Grölapplaus und begeisterte Pfiffe aus allen Fenstern, und das gesamte Programm wurde in voller 23-Minuten-Länge wiederholt.

  
       
7

stihl hat 75 hochentaster.

mach den ast wech!

Hochentaster. Wie bitte? Sehwerkzeuge und Verstand brauchen eine Zeit, bis sie dieses Wort sinnvoll zerlegt haben. Hochentaster. Zuerst dachte ich Hochen-taster. Aber was war das? Wenn man das Mittelteil rausnimmt und das t noch zu e und n packt, wird's zur Präfix ­ent. Also, Hoch-ent-aster. Ja. Ich will hier den HOCH-ENT-ASTER vorstellen. Diese Maschine habe ich nicht, brauche ich nicht und will sie niemals haben, sage ich als Laubenpieperin vielleicht ein bisschen zu vorschnell. Ist mir über den Weg gelaufen, als ich Hyazinthenzwiebeln kaufen wollte. In einem Katalog. Ein kurioses Ding, lang wie eine Bohnenstange. Wie soll ich das nur beschreiben? Fangen wir mal mit dem Zweck an: Stellen Sie sich vor, Sie sind der Erbe eines weitläufigen Geländes des VEB Obstanbau-Kombinat in Werder an der Havel. Dann gehören Sie exakt zur Zielgruppe dieses Warensegments aus der Gartenwaffenschmiede des ehemaligen Arbeitgeber-Präsidenten. Bequem vom Boden aus und ohne lästige Kabelage können Sie mit diesem Flora-Bajonett ihre Erbschaft beschneiden und entasten. Der Teleskopschaft des HAT 75 lässt sich stufenlos bis auf 5 m ausfahren. Mannomann. Ganz vorne sitzt eine Säge, Miniatur-Kettensäge versteht sich. Ein bisschen sieht die ganze Sache so aus, als hätte man die Klinge eines Schweizer Messers auf einen Hochsprungstab montiert. Die kleine Zweitakter am unteren Ende der ganzen Chose hat es in sich: Hubraum - 25,4 cm3 und 0,95 PS. Aber jetzt kommt's, ohne ernsthaftes Krafttraining ist diese Astabsägemaschine nicht zu bedienen, no way. Ich sag nur 6,9 kg und das ohne Schiene und Kette. Beim Preis langen die Schwaben ganz schön hin. Haben Sie ernstlich etwas anders erwartet? Mal ehrlich? Sodele, jetzt raten Sie, was dieses praktische Gartengerät kostet: 500 Märker für HOCH, noch mal 500 für ENT und schließlich 500 für den ASTER. Das Antivibrationssystem gibt's inklusive.