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100 7 cds von arne boecker 150
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queen. a night at the opera.

queen


Vor "A Night At The Opera" war nur Sonnenscheinpop. "Middle Of The Road" und so Zeugs. "A Night At The Opera" war Rock. Zum ersten Mal. Der Zugang war natürlich ungemein sperrig, hieß "Bohemian Rhapsody" und erschloß sich mir nur, weil ich damals Trampolin sprang.

..das sollte ich vielleicht erklären. Ich hatte im örtlichen Sportverein Leichtathletik betrieben, war aber abgefallen, als die Erkenntnis dämmerte, daß sich nichts Langweiligeres auf Erden vorstellen läßt als Rundenlaufen auf Asche. (Höchstens noch, so dachte ich damals - nicht heute! -: Sonntagnachmittage.) Also wechselte ich in die Trampolinsparte, wo ich zwar lernen mußte, daß das sportliche Grauen viele Gesichter hat, aber: Ein halbes Jahr hielt ich durch und drehte Saltosse.

Im Deutschlandfunk (!) lief seinerzeit - talkin´ ´bout Anfang der Siebziger - zwischen 19.30 und 21 Uhr - die hippste Hitparade; "Bohemian Rhapsody" besetzte ein halbes Jahr lang Platz 1. To Make A Long Story Halbwegs Short: Das Teil lief immer, als ich auf der Rückfahrt abgekämpft im Elternauto saß. Nach dem vierten Mal mußte meine Mutter Umwege fahren. Wir wohnten sehr nah an der Turnhalle, und das Teil dauert mindestens sechs Minuten. Meine ebenfalls trampolinende Schwseter und ich können heute noch jedes Wort singen, auch mit verteilten Rollen. Ich: "Bismillah!", sie: "We Will Not Let You Go!"

Ich bin dann los und habe mir die Platte gekauft und mich zum Hören immer auf den Boden gelegt und die beiden Billigboxen seeeeeeehr nah an meinen Ohren plaziert.

Man vergißt gern, daß Queen mal gute Musik gemacht haben. "Sheer Heart Attack" von "Killer Queen" (Prä-"Rhapsody") ist pures Adrenalin und wird von einem zuckersaccharinsüßlichen "Lily Of The Valley" abgelöst. Auch die Post-"Opera"-tive LP "A Day At The Races" war noch schön. Danach: Ach Gott, jünger werden wir alle nicht.

Erst danach kamen Slade und T. Rex und so.

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die sterne. posen.

sterne

Hamburg.
Amphore im Sommer, Kochsalon im Winter.
Die eine Alleinnachdenkestelle neben der Ausfahrt des Alten Elbtunnels.
Liebesworte in Finkenwerder.
Milchkaffee & Portugaltörtchen.
Aus dem "Dock´s" zu Esso, müllermilchtrinken auf dem hohen E-Kasten.
Hamburg.

  
       
3

elvis costello. blood & chocolate.

costello

Einstens: der Titel!
Zweitens: "I Want You"!
Dreitens: "I Want You"!!
Viertens: "I Want You"!!!
Fünftens: die Stimme!
Sechstens: die Fallhöhe zwischen E.C. früher und E.C. in der "Blood-&-Chocolate"-Ära. Ich haßte Elvissens Dreiviertelpunk-Anfänge! Irgendwann mal beim "Shipbuilding"-Hören (ist von einer anderen CD) habe ich mir geschworen, bis an mein Lebensende jede Costelloplatte zu kaufen, und das mache ich auch. Es MUSS irgendwas geben, das ein Mann bis an sein Lebensende durchhält, auch wenn ich vom späten Kostello Karies kriege.
Ach übrigens: I Hope You´re Happy Now.

  
       
4

michel petrucciani. live at the
theatre champs elysée.

petrucciani

Ich habe zwei Jahre bei "Willemsens Woche" (ZDF) gearbeitet, bin da aber kaum mit Michel in Berührung gekommen: Freitagslivehektik und all der überhitzte Scheiß.

Aaaaaber: Ich war bei dem Konzert in Paris, das diese CD enthält (ohne zu ahnen, daß sowas geplant ist): 14. November 1994. Ich behaupte ja immer noch, daß ich einen der Huster fabriziert habe, die darauf zu hören sind, aber: Mir glaubt ja mal wieder keiner.

Ich will jetzt nicht sentimental werden, aber: Wer dabei war, vergißt alle Kritikerpapstdebatten, ob das nun viertel-, halb- oder vollwertiger Jazz ist. Die Freude dieses Mannes füllte diesen ehrwürdigen Pariser Theatersaal bis in alle Ritzen aus. Eine Bombendrohung auf dem Flughafen Charles de Gaulle rundete den gelungenen Anderthalbtageausflug ab. Michel Petrucciani, glasknochenkrank, ist im Januar 1998 gestorben. Ich reiste damals gerade durch Amerika, war traurig, habe mich dann aber über einen sehr langen und sehr aufrichtigen Nachruf in der New York Times gefreut.

  
       
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the fall. egal.

fall

"Egal", weil alle "The-Fall"-Platten gleich sind, und weil EXAKT DAS die Anziehungskraft von Mark E. Smith, diesem Durchhalter und -steher vor dem Herrn, ausmacht. Nie wird der eine Platte machen, bei der er zusammen mit den Ybbsener Symphonikern seine größten Werke nochmal einspielt! (Friß Staub, Metallica! Und: Ich hoffe, zu eurem Konzert mit den Berliner Syphilitikern auf der EXPO 2000 kommen 17 Zuschauer, Scorpions!)
Für Einsteiger: "I´m Kurios, Oranje!" als LP, außerdem das Stück "You´re Not Up Too Much" mit dem superschärftsten Sägegeräusch der Musikgeschichte.
Ich will übrigens nicht vollends dementieren, daß meine Begeisterung für "The Fall" zumindest am Anfang maßgeblich darauf zurückzuführen war, daß ich in Brix verschossen war.

  
       
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short cuts. soundtrack.

short cuts

Also erstmal der Film. Der Film ist nur deswegen nicht auf der "7-Filme"-Sofa-Liste, weil ich wußte, daß ich bei den 7 CDs unterbringe, daß das einer meiner Lieblingsfilm ist. Quod erat demonstrandum. Aber dieser Soundtrack stände auch ohne Film heraus, und das kann man nun wirklich nicht von vielen Soundtracks sagen. Das hat natürlich zuerst mit Annie Ross zu tun, der alternden Barsängerin, die in dem Film eine alternde Barsängerin spielt. Das ergreifende "Conversation On A Barstool" (geschrieben von Bono & The Edge) und das köstliche "To Hell With Love" (geschrieben von Doc Pomus & Dr. John) und das pathetische "(I Favor A Good) Punishing Kiss (It helps Chasing A Wasted Afternoon)" (geschrieben von Elvis Costello) verströmen Würde und Witz gleichzeitig. Die meisten Songs auf dieser Welt wären schon froh, eins von beidem wenigstens ein bißchen verströmen zu können, und die meisten Sängerinnen dürften sich glücklich schätzen, soviel Würde und Witz zu besitzen, wie Annie Ross im kleinen Finger...aber ich lasse mich treiben.

Das Besonders an dieser CD läßt sich jedoch schwer in Wort fassen. Es ist wohl das Zusammenspiel sehr verschiedener Musik, das etwas eigenes Neues ergibt. Die Liebe der Zusammensteller reicht bis in Details: Eröffnet wird "Short Cuts" von 50 Sekunden Hubschraubergeschrappe, und im letzten Drittel gibt`s 27 Sekunden Earthgequake auf die Ohren. Die Musik dazwischen kann Bargesang sein (Annie Ross) oder Klassik (Cello-Konzert von Dvorak), nenn es Jazz, nenn es Pop, es ist letztlich völlig egal, welche Etiketten du dranklebst: Diese Musik hat Seele.

  
       
7

frank zappa. sheik yerbouti.

zappa

Dies ist musikhistorisch die interessanteste CD, die ich besitze. Musik im Auge des Orkans.
Für die Dauer einer Doppel-LP tanzt Frank Zappa auf der Rasierklinge. Vorher: Musik für eingeweihte Eigenbrötler, jede Platte ein Ritual für den Stamm. Hinterher: Selbstzitate, Belanglos-Poprock. Aber hier? ALLES auf den Punkt, und das bei einer Spannweite, die von "Bobby Brown, das auch in oberschlesischen Discos gelaufen sein dürfte, bis zum göttlichn Gitarrengegeniedel von "Yo´ Mama" reicht.
Nochwas: H-u-m-o-r. Ich rede nicht nur über die Zwischentexte, sondern unter anderem von "Flakes", das sich des fünften Standes annimmt: Handwerker.
Ich bin übrigens kein Zappatista. Ich habe noch nicht einmal die Platte gehört, die solchesgleiche als das Nonplusultra handeln: das sog. "Sofa"-Werk.
Shake Trotzdem Your Body!

  
 

* Es geht hier nicht um die besten sieben CDs aller Zeiten, kann es auch gar nicht, weil mich eine derartige Aufgabe in den Wahn treiben würde. Sondern um sieben CDs, die MIR aus verschiedenen Gründen mal wichtig waren; deswegen sind die Teile auch alle so alt und - puh - riechen so muffig. Ich höre eigentlich nur MODERNE Musik!