Surrealismus und Simulation
Jacques Baron: Ich bin kein Feind von Simulation, aber ich glaube,
daß es ein Verrat an der Liebe ist.
Pierre Unik: Ich glaube, daß Simulation legitim ist, und daß
es kein Verrat ist, wenn die Frau simuliert, um den Orgasmus des Mannes
herbeizuführen, wenn sie das will.
André Thirion: Ich bin unfähig, mit einer Person zu schlafen,
von der ich denke, daß sie simuliert.
[...]
Paul Eluard: Ich habe mit einem anderen Mann und einer Frau geschlafen.
Diese Frau, die erregter war als die beiden Männer (dem
äußeren Anschein nach) provozierte den Akt mit beiden
Männern, schlief mit beiden. Sie hatte kein Interesse daran zu
simulieren.
André Breton: Sie simulierte.
[...]
Paul Eluard: Ich bin unfähig zu simulieren. [...] Das ist fast
so gut wie die Realität. Ich habe oft versucht zu simulieren. Ich
habe es nie geschafft. Ich bin ganze Nächte lang wachgeblieben oder
habe nur sehr wenig geschlafen, aber die Müdigkeit war
stärker.
Paris, 31. Januar 1928.
José Pierre (Herausgeber), Recherchen im Reich der Sinne. Die
zwölf Gespräche der Surrealisten über Sexualität
1928-1932, Verlag C.H.
Beck, München
Symptomatik
40 Prozent aller Frauen täuschen "regelmäßig" oder
"immer" einen Orgasmus vor. Fand Sex-Forscher Maurizio Bossi heraus. Der
Italiener beobachtete für seine Studie 5000 Frauen beim Sex. Dabei
entdeckte er, daß es für jeden "echten" Orgasmus ganz bestimmte
Signale gibt. Wie man(n) sie entdeckt? Beim Sex muß sie
so liegen, daß der Mann ihr Gesicht, Bauch, Busen und Füße
sehen kann. Vor einem Orgasmus beginnt ganz leicht ihre Nase zu
laufen. Dann verhärten sich langsam ihre Brustwarzen.
Unmittelbar vor einem Orgasmus muß sie schlucken, der Hals wird
trocken. Die Haut zwischen ihren Brüsten rötet
sich. Anschließend weiten sich ihre Pupillen. WICHTIG:
Wenn sie den Höhepunkt genießt, kann sie ihre Füße
nicht still halten. Der große Zeh richtet sich auf. "Keine
Frau", so Bossi, "kann diese Anzeichen kontrollieren." Bild
24.2.99
Ist ein Orgasmus
wirklich ein Orgasmus?
Eine beliebte Frage unter Sexualwissenschaftlern ist jene nach der
Zuverlässigkeit, mit der Frauen ihre Orgasmus-Erfahrungen wiedergeben.
Ein Artikel von R. Levin und G. Wagner in den Archives of Sexual Behavior
(1985, Vol. 14, No. 5) vergleicht die Beschreibungen, die Frauen von
ihren in einem Labor beobachteten Orgasmen geben, mit den Messungen ihrer
vaginalen Kontraktionen, ihres Blutflusses und ihres Herzschlags. Als die
Frauen gebeten wurden, über ihre Höhepunkte Auskunft zu geben,
"unterschätzte die Hälfte von ihnen beträchtlich die Dauer
ihrer eigenen Orgasmen", berichten die schockierten Forscher.
Die Schlußfolgerung, so die beiden, könne nur darin bestehen,
die Gültigkeit aller Daten über Orgasmen zu bezweifeln, die auf
"subjektive" Weise - etwa durch Fragebögen oder Interviews - gewonnen
wurden.
Sojourner, Januar 1997
Bange Frage
Ich treffe mich seit vier Monaten mit einer Frau, mit der ich seit zwei
Monaten auch Sex habe. Ich weiß, wie meine bisherigen Partnerinnen
sich benahmen, wenn sie Orgasmen hatten. Deswegen bilde ich mir ein,
daß meine Freundin ihre Orgasmen nur vortäuscht. Es ist nicht
wie in dieser Szene aus Harry and Sally, aber es kommt mir einfach nicht
echt vor, wenn sie kommt. Sie ist nie unehrlich zu mir gewesen, doch in
dieser Angelegenheit traue ich ihr einfach nicht. Ich habe schon daran
gedacht, sie darauf anzusprechen. Wie stellt man es an, über so etwas
zu sprechen? Ich möchte sie nicht beleidigen, ich möchte
bloß, daß unsere sexuelle Beziehung ehrlich und frei von
Hintergedanken ist.
San Francisco Examiner, 24.4.1996
Wir Männer verdienen es nicht besser
Ganz sicher haben Frauen immer schon simuliert. Aber ich vermute,
daß der Schwindel zugenommen hat, seitdem die Frauen den Mut haben,
vom Sex Vergnügen zu erwarten.
In den guten alten Zeiten bedeutete Sex, daß er einen Orgasmus hatte
und sie ihn danach nicht aufweckte. Sie mußte ihm nichts vormachen,
weil es ihm sowieso egal war, wie sie sich dabei fühlte.
Nun allerdings suchen sich Frauen ihre Männer auch nach deren
Qualitäten im Bett aus, und die Männer wissen das. Das Resultat:
Für Männer ist Sex kompetitiv geworden. Wir denken: Wenn ich ihr
keinen Orgasmus verschaffe, wird es möglicherweise ein anderer tun.
Und was könnte schlimmer sein?
Nicht viel. Außer, möglicherweise: Daß man sie nicht zum
Orgasmus bringt, aber denkt, man hätte. Genauer gesagt: Eine Frau
dazu zu verleiten, einen Augenblick der Ekstase zu simulieren, weil sie
denkt, man hätte nicht genug Selbstvertrauen, die Wahrheit zu
akzeptieren.
The Plain Dealer, 14.1.1996
Faken um zu faken
Die Frauen, die an dieser Untersuchung teilnehmen, waren ebenfalls keine
Heiligen. Manchmal täuschten sie ihre Orgasmen vor. Das
Vortäuschen kam häufiger bei jenen Frauen vor, die angaben, gerne
mit anderen Männern zu flirten. Schon frühere Untersuchungen
vertraten ja die These, daß ein Mann nach Anzeichen sexueller
Befriedigung bei seiner Partnerin sucht, um sich ihrer Treue zu
versichern.
Orgasmen vorzutäuschen könnte also für eine Frau mit vielen
Liebhabern die einfachste Methode sein, den Verdacht ihres Hauptpartners zu
zerstreuen.
Psychology Today (USA), Januar 1996
Strafe für Simulation?
CONNIE CHUNG: Guten Abend, liebe Zuschauer. Haben Sie jemals etwas vor
Ihrem Ehepartner geheim gehalten? Natürlich, wer tut das nicht? Wir
trafen eine Frau in Kalifornien, deren kleiner Schwindel ihr ein
Vermögen kostete. Es handelt sich um einen Fall, der Juristen in
Aufregung versetzt und viele Ehepaare dazu verleiten könnte, sich
Lügendetektoren anzuschaffen.
CHUNG (Voiceover): Dezember 1977. Bonnie and Ron Askew feiern eine
Hochzeit wie im Märchenbuch.
(Schnitt: Gerichtssaal)
ANWALT: Trifft es zu, daß Sie Mr. Askew niemals sexuell begehrt
haben?
Fr. ASKEW: Nein, niemals.
(Studio)
Fr. ASKEW: Ich wollte ihn nicht täuschen. Ich wollte ihn bloß
nicht verletzen.
CHUNG: Warum haben Sie mit Ihrem Mann nicht schon vor Jahren darüber
gesprochen, anstatt eines Tages die Bombe platzen zu lassen?
Fr. ASKEW: Ich wollte ihn nicht damit verletzen, daß er mir auf
eine bestimmte Weise nicht genügte. Ich dachte, das wäre meine
Pflicht - als gute Ehefrau.
CHUNG (Voiceover): Die Askews hatten ein Leben, nach dem viele Menschen
sich sehnen. Ihr Immobilienbesitz, darunter zwei Bungalows neben einem
Golfplatz, hat einen Wert von mehr als einer Million Dollar.
Verantwortlich für dieses Leben war das 300.000 Dollar-Gehalt, das Ron
als Präsident einer Bank bezog. Sie teilten alles. Auch ihr Geld und
ihr Vermögen. Bis sie eines Tages, nach 13 Jahren Ehe, ihren Mann Ron
in das Haus ihres Therapeuten bad, wo er erstmals die Wahrheit erfuhr:
Daß sie ihn nie begehrt hatte.
(Bilder von einem Gerichtssaal)
ANWALT: Ich würde den Geschworenen gerne Beweisstück 104 zur
Kenntnis bringen, Euer Ehren...
CHUNG (Voiceover): Ein Brief, den Bonnie an Ron geschrieben hatte...
ANWALT: Ist das Ihre Handschrift?
Fr. ASKEW: Ja.
ANWALT: Würden Sie es bitte vorlesen.
Fr. ASKEW: Hier steht "In mir tobt Liebe, Lust und extremer Stolz"
ANWALT: Keine weiteren Fragen.
CHUNG: Bonnie, warum waren Sie so lange mit Ron verheiratet?
Fr. ASKEW: Weil ich ihn liebte.
CHUNG: Aber Sie empfanden sexuell nichts für ihn.
Fr. ASKEW: Was wäre denn gewesen, wenn er seine Fähigkeit
verloren hätte, Sex zu haben? Hätte mir das das Recht gegeben,
ihn nicht mehr zu lieben oder die Ehe zu beenden? Eine Ehe hat mit mehr zu
tun als mit Sex.
CHUNG: Eine Jury von sechs Männern und sechs Frauen glaubte Bonnie
nicht. Sie sprachen sie des Betrugs schuldig. Die Folge: Bonnie
mußte eine Viertelmillion Dollar, die sie nach der Scheidung erhalten
hatte, zurückzahlen.
Richard Milar ist Bonnies Anwalt. Er glaubt, daß dieses Urteil nur
dazu führt, daß eine Menge von Ehepaaren ihre Anwälte
aufsuchen wird.
MILAR: Wenn Menschen mitbekommen, daß es Geld dafür gibt, weil
man bei der Hochzeit betrügerischen Versprechungen aufgesessen ist,
werden sie versuchen, dieses Geld zu kriegen.
CHUNG:Wie schmutzig kann das werden?
MILAR: Wenn eine Frau einen Orgasmus vertäuscht, kann sie jetzt wegen
Betrugs verurteilt werden.
Aus der CBS-Show EYE TO EYE WITH CONNIE CHUNG , 1.7.1993
Vox populi
Und hier Eure Antworten und Meinungen zu dem Thema:
Vorgetäuschter Orgasmus - merken Männer das?
Mir ist es Wurscht, ob sie kommt oder nicht, Hauptsache sie laesst mich bis
zur Ende abspritzen. Es ist mir sogar lieb, wenn sie nicht allzuviele
Anspruche hat. Sonst ist es Stress. Im Gegenteil: Wenn sie nur und lange
Orgasmen haette, dann waere es fuer mich ein Trennungsgrund. Denn ich kann
davon ausgehen, sie hat das woanders als bei mir gelernt. D.h. sie hat
mich betrogen oder sie wird es tun. / Eine Frau soll auch nicht soviel
Plaisir beim Sex empfinden. Es ist eine Anstandssache. Das orgasmische
Simulationsprogramm ist die Garantie einer guten Beziehung.
Harald Sch. (21) aus Trier - 02.09.1998, 16:10 Uhr
Ja, manchmal tue ich so als ob. Ich habe nicht immer Lust mich gehen zu
lassen. Es kostet Kraft und wenn du merkst, es lohnt sich nicht, warum
sollst du mehr leisten?
Heike Lee (24) aus Wien - 02.09.1998, 11:46 Uhr
Frauen die Orgasmen simultanieren sind welche, die sich mit der Liebe
auseinander gesetzt haben. Ich sage: "Lieber eine falsche Geile als eine
echt Frigide!"
Marc D. Posee (33, Bodygard) aus Essen - 01.09.1998, 15:38 Uhr
Ich find das total doof. Ehrlich währt am längsten.
Sieglinde (43) aus Augsburg - 27.08.1998, 00:31 Uhr
Aus dem Internet-Forum der Zeitschrift Praline
Männer können es auch
"Meine erste wirkliche Freundin war immer nur am Ficken interessiert. Ich
wußte einfach nicht, wie ich Nein sagen sollte. Die Erektion war ja
noch leicht, aber dann... ich mußte dauernd meine Phantasie
bemühen, um die Erregung aufrechtzuerhalten... es war wirklich harte
Arbeit. Dann habe ich irgendwann meinem Kumpel Adam davon erzählt.
Er meinte, ich solle doch einfach faken. Ich dachte, warum nicht, und
probierte es. Sie merkte nichts davon. Ich wäre nie von selbst drauf
gekommen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, daß Frauen es
nicht bemerken würden. Adam erzählte, er würde es die ganze
Zeit so tun. Mir kam das unehrlich vor, und ich fühlte mich nicht
gerade wohl dabei. "
"Na klar, habe ich Orgasmen vorgetäuscht. Oft. Es gibt diese Frauen,
die davon überzeugt sind, sie wären nicht attraktiv. Die
benötigen dauernd Bestätigung. Ich fake nur für Frauen, an
denen mir etwas liegt. Manche Frauen denken von sich selbst, sie
wären nicht in der Lage, heftige Leidenschaften hervorzurufen. Das
Vortäuschen gibt mir manchmal das Gefühl, meinem Partner zu
helfen, manchmal beendet es aber auch einfach nur eine langweilige
Situation. Manche Frauen fühlen sich extrem schlecht, wenn man beim
Sex nicht ejakuliert."
"Beim Sex entsteht ja immer ausreichend Körperflüssigkeit. Viel
kommt von der Frau, mehr, als man denken sollte. In der guten alten Zeit
vor Aids mußte die Performance natürlich besser sein als heute.
Du mußtest die Frau so glücklich und befriedigt machen,
daß sie bloß noch einschlummern wollte. Und dann sagtest du,
daß es dir nichts ausmachen würde, derjenige zu sein, der auf
dem nassen Fleck schläft. Das gab noch ein paar Extrapunkte für
Einfühlungsvermögen. Natürlich wußte sie gar nicht,
daß es gar keinen nassen Fleck gab. Also hattest du doppelt
gewonnen. Ging ganz einfach. Heute mit den ganzen Kondomen ist es sowieso
nicht schwer, Frauen zu beschwindeln. Frauen sind viel zu höflich, um
nachzugucken. Gott sei Dank"
Aus Body Politic
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