best of le sofa blogger Warum ich kein Sofa Blogger sein will

 

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"blogger dir einen!", dachte ich neulich mal so zu mir. und dann wieder: "neenee, das ist nicht deine hood, junge." deswegen habe ich mit mir selber kompromißt: einmal nur - nämlich jetzt -, und dann ziehe ich mich wieder auf das sofa zurück. leiderleider ist es nämlich so, daß ich fürchte, euch bloggeristas nicht soooo viel zu sagen zu haben. versteht das folgende also als anmerkungen eines eckenstehers.

EINS

ich bemühe mich, in den folgenden minuten die regeln einer ironiefreien zone zu befolgen; ganz wird mir das wohl nicht gelingen.

ZWEI

gleich zu beginn sollte ich aber mal erwähnen, daß ich das bloggerzeugs gern lese. in echt.

DREI

am meisten vergnügen bereitet mir die diskrepanz zwischen dem tiefen verständnis der technik, die euch alle zu beseelen scheint, und der beredten wortlosigkeit, wenn irgendwer (stefan, glaube ich) die sinnfrage in den raum zu stellen wagt. (völlig berechtigt natürlich, wenn auch komplett aus-jeder-mode.) was folgte war ein hilfloses gewürge, das nur noch von dem übertroffen wird, das wigald boning zu ende des genialen bombasttracks "hilf mir doch, heike!" anstimmt (von der ersten "bremen"-platte, bei der er vor urzeiten leadsang), in tateinheit mit einer lustlosigkeit, als würdet IHRDADRAUSSEN gerade gemeinsam das achte ehejahr durchschweigen. l´art pour l´art rules okay?

VIER

ich rangiere - in aller bescheidenheit sei´s angemerkt - auf der weltrangliste der sinnfreie-fachzeitschriften-leser ganz weit vorn. meine beiden liebsten heißen "disco-post" (lichttechnik, beste basslautsprecher, adressen von männerstriptruppen aus mödlareuth) und "der tankstellenpächter" (rundumdieuhrige benzinabgabestelle oder spätabendlicher singletreff mit angeschlossener fleischsalatverkaufe - quo vadis, gute alte tanke?) so lese ich auch den blogger: ich verstehe nicht alles, aber ich mag die sprachlichen feinheiten, und jeder text, der so NICHT in "stern", "arnica" oder "woche" stehen könnte, hat bei mir eh (österreichisch für das viel schönere sowieso) einen dicken bonus. ...und eine fachzeitschriftencontrol auf dem sofa wäre übrigens auch eine feine sache.

FÜNF

auch wenn es mir keiner glaubt, aber in jungen jahren, als ihr alle schon zusammen mit al "527" gore am internet mitknüpfen durftet, habe ich u.a. eine cabriozeitschrift entwicklungsabteilungsgeleitet. (keine nachfragen erlaubt.) einer der texte, die über meinen schreibtisch gingen (hihi, was für ein bild!) bein-haltete den ausdruck: "drosselklappenverbeißung mit erhöhtem losreißmoment", der jahrelang als schoner über meinen bildschirm segelte. das meint wohl sowas wie: wenn man verbissen an einer besonders fies verbissenen drosselklappe rumfilibustert, um sie ein wenig aufzuheitern, dann löst sie ihre verklemmung nicht etwa sutsche (norddeutsch für langsam), sondern mit einem ruck. (wo die drosselklappe sitzt und was sie tut mit autos? fuckin´ don´t know.) auf der hitliste des tech-sprech wird diese phrase jetzt aber - blogger sei dank! - hart bedrängt. meine up-ze-loo-ten favoriten: "ich nutze das allerdings mit etwa 10 avant-go channels, die ich auch im ausland ständig über handy synche." unübertroffen in seiner gnadenlosen lyrik aber der satz: "audiofiles laden sehe ich als eine killer-applikation."

SECHS

die frage nach dem sinn...nochmal: für mich hat das was extrem komisches, ja loriotiöses, zu sehen, daß sich die technik alle paar minuten überschlägt, aber kein schwein und keine schweinin weiß, was man denn eigentlich reintut in die tüte. es gibt ein extremeres beispiel für technik sonder sinn: bisher hat sich auf gottes weiter welt noch niemand finden lassen, der meiner mutter ihrm sohn bündig erklären konnte, wozu sms gut sein könnte. (abgeschwächt gilt das auch für handys, aber da gebe ich mich langsam geschlagen - aber nur aus erschöpfung.) meine lieblingsdoofsms lautet: "ich gut. du auch?" mich treibt einfach die sorge um, daß irgendwann mal der "stern" aufdecken wird, daß der weltvorrat an buchstaben zur neige geht. headlinevorschlag: "erst wenn alle staben gestorben sind, wird der mensch merken, daß er börsenkurse nicht lesen kann". okay, und dann wird ein großes zähneklappern anheben ob der erkenntnis, wieviele buchstaben man sinnlos gemeuchelt hat, um sie in ein nokia zu stopfen. darum: wehe euch!

SIEBEN

das problem ist natürlich, daß man sich mit solchen ansichten außerhalb der menschlichen gemeinschaft stellt, vor allem wenn man dann auch noch spielerisch so einen namen wie henry david thoreau in die gespräche quetscht. JAICHWEISS, daß der mann letztlich ein geistiger kleingärtner war, ein lächerlicher olympier des immerweniger, JAICHWEISS, daß sich timothy mcveigh and the likes auf ihn berufen, aber auf der anderen seite steht dann eben ein tarzanundjaneiges "ich gut. du auch?" am rande: "ich ertrage das rumgehühnere nicht mehr, das geschwätz der branchenpostillen" (aus dem blogger). du bist reif für "walden", münchenmann. (vielleicht kommt sie ja mit?)

ACHT

mein derzeitiges lieblingsspeichermedium ist eine "magna doodle" von "fisher price" und kostet im diximarkt-meiner-wahl dreineunundneunzig (im klartext: nicht knappviertausend mark, sondern drei mark und neunundneunzig pfennige.) das ding ist eine echte killer-app! 10 bs schafft ihre sehr feste platte maximal. bs steht für buchstaben, und die muß ich mit einem billigstift draufschreiben. am unteren rand findet sich eine schiebevorrichtung, von der ich genausowenig weiß wie sie funktioniert wie im fall der drosselklappe. diese "zaubertafel" liegt neben meinem bett, und es bereitet mit viel spaß, morgens zu rätseln, warum ich im halbdämmer noch eben "o´hausen" draufgeschrieben habe. mal davon abgesehen, daß sie taugt, irgendwelche mädchennamen mal eben schnell hinzuschreiben, nur um zu sehen, wie sie wirken. (es gibt bestimmt auch wasserfeste zaubertafeln für schwimmbadtelefenonnummernnotfälle. stellt euch vor, wie cool DAS käme!)

NEUN

apropos dämmerdunkel: genau so unscharf erinnere ich mich an eine von peter angespitzte, dann aber leider abgebrochene diskussion über journalismus/medien im net (oder so). dazu 2erly. einstens: das netz ist kein journalistisches Medium, war´s nicht und wird´s nicht. man wird mit sowas wie j. auch keine mark machen können in seinen unendlichen weiten. journalismus ist recherche, und die will in zeiten randvoller archive ja sogar im print keiner mehr bezahlen. das netz ist im besten falle spaß (e-mail, sofa). ich bilde gelegentlich jungjournalisten aus/weiter. wenn ein normaler tageszeitungsfredi auf einen von den frischfrechen digitaldirks trifft, ist das so, als ob einer kisuaheli spricht und einer schwyzerdütsch. ich habe eine zeitlang versucht, brücken zu schlagen, bin aber gloriosgrandios gescheitert. ui!, das klingt ja gerade ultramoralinsauer, meine ich gar nicht so. ich sage nur: journalismus und das netz - das ist ein schwarzer schimmel. zwotens: was den boom und jetzt nichtboom von diesen ganzen kokskönigen angeht, stimme ich peter zu (wenn ich mich recht erinnere): die medien (old und new school) setzen die börsentrends natürlich nicht, aber sie verstärken sie, in guten wie in bösen zeiten - weil sie nehmlich dehmlich sind und immer hinterherlaufen. so wie auch menschen, die den tiefen teller nicht erfunden haben, ahnen konnten, daß thomas haffa vielleicht/eventuell/unter umständen/ möglicherweise eine luftblase-auf-zwei-beinen ist (wohlgemerkt: ich behaupte nicht, daß ich´s gewußt habe, ich sage, daß ich vorsichtiger gewesen wäre), so ist doch heute eigentlich auch supersonnenklar, daß der boom nicht vorbei ist, oder? wir reden doch nur von konsolidierung und dem stillen triumph von sowas ähnlichem wie "gesundem menschenverstand", oder nicht? stephan schambach muß doch jetzt nicht umschulen auf glasbläser, gewerkschaftsboß oder gebäudeleittechniker!!!

ZEHN

nochmal journalismus: bei den wirtschaftsthemen zeigt sich natürlich besonders schmerzhaft, wenn darüber menschen journalisteln, die keine ahnung haben. über madonnas hellblaue cowboyhüte kann schließlich jede(r), aber über sich seitwärts bewegende märkte?

ELF

das mit den seitwärtsbewegungen ist auch so ein lieblingswort von mir: einmal möchte ich mit eigenen augen sehen, wie sich so ein wert seitwärts durch die obernkirchener fußgängerzone trollt! alles wird aber getoppt von der funktionsbezeichnung eines honorigen journalisten, der bei einem verlag mit sieben buchstaben im titel jetzt den vordenker gibt. der titel lautet: "chief content officer". bru-ha! ich sehe da immer einen mit gezogenem säbel über die brandstw...ähem reiten, mindestens fünf güldene haken auf jeder schulterklappe. wo ich schon dabei bin: "content"??? deutlicher kann man nicht machen/sagen, daß es nicht wirklich darum geht, halbwegs sinnig die 26 der allgemeinheit zur verfügung stehenden buchstaben aneinanderzureihen. ich habe einem hohen herren in einem verlag, dessen name ziemlich gesund klingt (obwohl ich mehr-als-den-verdacht hege, daß er´s nicht ist), mal vorgeschlagen, die 26 buchstaben einfach per zufallsgenerator um die teuer gekauften fotos herumzudrapieren (ich glaube übrigens, daß das rattenscharfe X bei hausfrauentests besser abschneidet als das brave W, weswegen mehr Xe als Ws ausgestreut werden sollten) oder aber superkonsequent nur noch blindtext zu drucken; natürlich wird man dann gleich zyniker geschimpft.

ZWÖLF

"zeit"-mann theo sommer, übrigens, schimpft sich "editor-in-large". auch nicht übel.

DREIZEHN

die beste tageszeitung der welt hat im wirtschaftsteil gerade eine messerscharfe analyse gedruckt, die belegt, daß flatrates wirklich niemandem helfen (weder anbietern noch abnehmern noch gar dem GROSSENGANZEN). meine lieblingsstelle: "mit einer flatrate kann man den internetzugang aus bequemlichkeit sieben tage in der woche 24 stunden eingeschaltet lassen. das führt zu ähnlich grotesken situationen wie seinerzeit bei der heizungsflatrate in der ddr - die leute lassen die heizung ständig auf vollen touren laufen und regeln die temperatur duch öffnen der fenster."

VIERZEHN

einer der gründe, warum das hier ein einmaliger gastauftritt meinerseits bleiben wird, ist die forderung von - glaube ich - joergjörg, der strenge führung im blogger anmahnt, weil die sache sonst verwässert. ganz im ernst: ich glaube das auch. ich bin in gewissen lebenslagen sehr für ernsthaftes spezialistentum (siehe: "der tankstellenpächter"). wenn´s mal einen blogger über rothaarige frauen, tappsys, muhammad ali, das verschwinden der langeweile, myanmar, mark e. smith oder die philosophie der abseitsfalle gibt, bin ich dabei.

FÜNFZEHN

außerdem interessiere ich mich tatsächlich mehr für evis haare und stefans reisereien als für piloten, die mich im zweifelsfall auf die palme bringen würden. that doesn´t make me a besseren menschen, aber: ...anders halt, gö? selten entweder 1 oder 0, oft auch mal 1,3 oder 1,8.

p.s.1:

ey peter, das sofastartseitenfoto ist übrigens eher W als X.

p.s.2:

auch wenn die, die mich nicht kennen, jetzt ein komplett falsches bild von mir bekommen, aber: das video von marilyn mansons "disposable teens" (rauf-und-runter auf viva zwei) ist, was dieses genre angeht, auf den punkt, wie es auf den punkter nicht geht. plus: es ist originell, obwohl es alle schablonen hinstellt, die im religiösen splattergroßmarkt für geld zu haben sind.

p.s.3:

eine meiner expo-2000-erkenntnisse (eggspoe 2000? aixpau 2000? - prust!): wir dschurnalisten haben monatelang nach mustern gesucht, die erklären, warum das management nix gegen das chaos tut. die simple antwort - "die kaiserin birgit breuel ist nackt" - scheint mir in der fu(ru)nkelnden welt der wirtschaft viel häufiger gültig zu sein, als wir alle glauben, die wir mit offenen mündern vor generalkommissarinnen, chief content officern und haffabrüdern stehen. es geht alles zurück auf sehr menschliche eigenschaften wie angst, neid, gier, wilden wahn etc. pp.

p.s.4:

nicht gefallen will mir am blogger, daß die zahl der beiträge eines mannes, dessen vor- und zuname mit demselben buchstaben beginnen, umgekehrt reziprok ist zu der bedeutung seines geburtslandes innerhalb der weltweiten staatengemeinschaft. diese sottise, mit verstand gelesen, richtet sich nicht gegen ihn, sondern gegen die anderen.

p.s.5:

kann mir wer per email sagen, wie weit die technik ist, texte direkt in den schreibcomputer zu sprechen und was das kostet?

p.s.6:

wo ich schon dabei bin: eine wirklich mal sinnvolle erfindung wäre es, wenn einer von EUCHDADRAUSSEN das bloggerscrollen revolutionieren könnte, die leselogik betreffend. bei den frischen texten muß man immer erst mitten im blogger auf den ersten text gehen, den man noch nicht gelesen hat, scrollt dann runter, dann wieder rauf auf den anfang des - zeitlich gesehen - nächsten textes, der aber oberhalb des eben gelesenen steht. capisce?

p.s.7:

und wer nicht "das große umlegen" von george w. (!) pelecanos gelesen hat, in der schwerst absturzgefährdeten "dumont-noir"-reihe erschienen, ist sowieso doof! sehr hard boiled, ein echter seitenumdreher, der im washington der vierziger jahre spielt. der nachfolger "king suckerman" (auch "dumont noir"), spielt im washington der siebziger jahre, ist lange nicht mehr so gut, aaaaaber: einer der helden betreibt einen plattenladen. heißt: auf jeder doppelseite finden sich mindestens drei anspielungen auf rock- und soultitel jener zeit; danach will man sofort in den wienühl-laden seiner wahl.

p.s.8:

geradezu gemeingefährlich doof ist allerdings, wer keinen "der-rabe"-abreißkalender 2001 sein eigen nennt. noch mehr weisheit morgens um 7.30 uhr am frystyxtisch könnte nur kriegen, wer es wagte, peter die meike auszuspannen.

p.s.9:

habe eine anzeige gesehen der sony-handycam dcr-pc 110. macht digitale filme, digitale fotos, außerdem kann man mpeg-kurzfilme speichern und dann als e-mehl versenden. wer schenkt mir die?

p.s.10:

"lettre" ist übrigens ganz entschieden (m)ein leitmedium. in der vorletzten ausgabe ein luzider text von jason epstein, wie sich die verlage in zeiten der chole...tschuldigung...neuen medien wandeln (müssen, sollen, besser nicht sollen).

p.s.11:

...und noch ein verweis auf den wirtschaftsteil der besten tegaszeitung der welt: interview mit dem volkswirtschaftler guy kirsch über (medien-)hysterie in zeiten von boviner spongioformer enzephalopathie (16./17.12. 2000).

p.s.12:

die new york times (ohnehin mit klasse online-features, wie ich finde) verschickt jetzt donnerstags ihren "circuits"-teil per e-mail. wär vielleicht was für euch, junx.

p.s.13:

zum schluß eine dringende warnung an peter: um c. diazzens hintern streite ich mich nicht mit dir, aber: lucyliu ist MIR versprochen! ich habe "charlie" nur geguckt, damit ich ein gemeinsames gesprächsthema mit ihr habe, falls ich sie zufällig an der fleischtheke meines obernkirchener diximarktes treffen sollte. also: hände weg!

sehe euch auf dem sofa, freunde der italienischen oper!



trans trans

Le Sofa Blogger ist das Weblog von Sofa - A Virtual Hangout: Marginalien, Notate, Ephemera. Nach einiger Zeit verschwinden die (fast) täglichen Beiträge im Archiv, aus dem sie für gewöhnlich nie wieder hervorgeholt werden. In Best of Le Sofa Blogger werden jene Texte ausgestellt, an denen uns noch etwas liegt.